Mediengeschichte

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begannen die damals modernen Medien rasant an Verbreitung und Bedeutung zuzunehmen. Rundfunk, Grammophon und Film hielten Einzug in die Freizeit der Bevölkerung, wurden aber insbesondere seitens des NS-Regimes auch für Propagandazwecke und zur ideologischen Beeinflussung genutzt. Das galt aber auch für Zeitungen und Zeitschriften sowie die Literatur überhaupt. All diese Medien werden hier sowohl hinsichtlich ihrer Entwicklung als auch ihrer Bedeutung ausführlich vorgestellt.

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Rundfunk und Radio

Die „neuen Medien“ der Zwischenkriegszeit nach 1918 waren vor allem der Film und das Radio, daneben noch Illustrierte und Groschenromane sowie Schallplatte und Grammophon. Es war aber das Radio, das zum Leitmedium schlechthin avancierte – und es bis in die 1960er Jahre hinein blieb.[1]

Als Geburtsstunde des Rundfunks in Deutschland gilt der 29. Oktober 1923, weil an diesem Tag mit der „Funkstunde Berlin“ die erste Unterhaltungssendung aus dem Vox-Haus in Berlin ausgestrahlt wurde.[2] Daraufhin begann die Reichspost mit dem Aufbau eines dezentralen Sendernetzes, wobei auf den Berliner Sender im Frühjahr 1924 jener in München folgte. Beide Anstalten hatten mit ihren Unterhaltungsprogrammen auf Anhieb Erfolg, wobei neben Musik und Literaturlesungen Wirtschaftsnachrichten und Wetterberichte nicht zuletzt bei der ländlichen Bevölkerung eine besondere Rolle spielten, die bis dahin auf entsprechende Zeitungsmeldungen angewiesen war, die aber mit einem Tag Verspätung per Post geliefert wurden.

Im Laufe des Jahres 1924 wurden schnell weitere Sender eröffnet: Frankfurt am Main und München (30. März), Hamburg (2. Mai), Stuttgart (10. Mai), Breslau (26. Mai), Königsberg (14. Juni) und Münster (10. Oktober). Deren föderale Struktur führte zu individuellen Programmgestaltungen, die die jeweiligen Redaktionen allerdings mit der stattlichen Telegraphenverwaltung abstimmen mussten. Die für einen geordneten Sendebetrieb benötigten Gelder kamen aus den Rundfunklizenzen der Hörer, während für die Infrastruktur das Ministerium zuständig zeichnete, um so zu verhindern, dass sich der Rundfunk kommerzialisierte und wirtschaftlichen Interessen unterworfen würde.

Die zahlenmäßige Entwicklung verlief durchaus rasant. Hatte man am 1. Januar 1924 – zu dieser Zeit sendete nur Berlin - in Deutschland lediglich 1.580 Rundfunkteilnehmer gezählt, hatten sich nach Inbetriebnahme der übrigen Sendeanstalten zum Jahresende 1924 bereits 548.749 Teilnehmer angemeldet; ein weiteres Jahr später wurde dann die Millionengrenze überschritten. Aus der Menge der zeitgleich verkauften Radiobauteile lässt sich jedoch schließen, dass die Zahl der Hörer weitaus höher lag, weil sie zu jener Zeit ihr Radiogerät selbst bastelten und nicht anmeldeten, womit sie zu „Schwarzhörern“ wurden.

Einen weiteren bedeutenden Schritt in der Entwicklung des deutschen Hörfunks stellte die Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 1926 dar, denn in dieser Nacht lief die erste Sendung, für die alle Sender im Reich zusammenschaltet worden waren. Der Grund war ein durchaus politischer, denn es wurde die „Befreiungsfeier“ am Kölner Dom übertragen, die das Ende des ersten Teils der Rheinlandbesetzung durch die Westalliierten darstellte. – Rundfunk und Politik gingen also von Beginn an eine enge Partnerschaft ein.

 
Fußnoten

[1] Vgl. Marßolek/von Saldern, Zuhören, S. 13f.

[2] Zu den folgenden Zahlen und Fakten vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_H%C3%B6rfunks_in_Deutschland (29.3.2015)

 

zuletzt bearbeitet am: 17.04.2016