Harald Endemann an seine Frau Charlotte, 30. März 1941

Bergen, den 30.III. 41

Mein liebes Lottenkind,

Es ist Sonntag und beinahe schönes Wetter und ich habe heute nachmittag frei. Das sind 3 sehr erfreuliche Ereignisse. Hätte ich nun noch Geld, dann wäre alles in Butter, aber es wird auch so schon gehen. Bei schönem Wetter immer! Hoffentlich bekomme ich zu alle dem noch einen lieben Brief von Dir. Heute kann ich auch gehen, wie ich will, denn ich gehe allein. Mit Wilhelm muss ich wegen jedem Vogel stehen bleiben. Das ist ganz interessant, aber man kommt nicht voran, und ich will heute mal laufen, recht weit, wenn möglich. Die letzten Tage

haben wir wegen des scheußlichen Wetters immer in der Bude gehockt, da wird man ganz traurig, denn unsere Buden sind ja durch die Tarnung dunkel.

Mein Dienst ist jetzt geregelt und das ist sehr gut, denn man kann disponieren. 6:30 Uhr wird aufgestanden. 7:30 Uhr antreten zum Befehlsempfang. 8:00 Uhr Dienstanfang bis 11:30 Uhr Mittagspause bis 13:00! Dann Dienst bis etwa 19 Uhr. Manchmal wird es auch 20 Uhr. Dabei ist aber zu bedenken, dass wir immer den Tag von der Unterkunft zum Gefechtsstand = 4mal am Tag machen müssen. Zu Fuß sind

das 25 Minuten; mit dem Rad 5. Abends bin ich meist auf der Bude und lese oder packe Päckchen. Jetzt haben wir auch einen Tagesraum bekommen, in dem ich schon mal abends Tischtennis spiele, wenn mir die Bude auf den Kopp fällt.

Die Verpflegung ist plötzlich sehr herabgesetzt worden. Es gab bisher einheitliche Portionen. Nun gibt es große und kleine. Große bekommt das fliegende Personal und wir bekommen kleine Portionen. Es ist aber auch ein gewaltiger Unterschied. Es ist von allem nur noch die Hälfte und von der abendlichen Aufschnittportion nur noch1/4. Am schlimmsten ist die Reduzierung beim Feld, da wir abends und morgens doch nur vom Brot leben. Es ist aber nicht schlimm, da geht vielleicht noch was fällt weg. Erzähle das aber bitte nicht weiter. Es geht andere Leute nichts an.

Auf dem Balkan werden wir ja wohl auch noch dreinschlagen müssen, denn wir können uns von den Serben doch nicht anpöpeln (!) lassen. So kommt ein Kriegsschauplatz zum anderen. Unterdessen verlieren die Italiener Abessinien und wir müssen in Nordafrika mithelfen, sonst werden sie auch dort von Indern, Negern, Australiern, Neuseeländern, Kanadiern und Süd- Afrikanern überrannt.

500.000 Mann hat der Tommy dort schon stehen und es sind wohl noch einmal so viel aus der ganzen Welt im Anmarsch. (Rand)   sie werden aber alle, wie sie kommen, verdroschen.

Gruß und 1000 Küsse   Dein Harald