Anneliese Hastenplug an Andreas van Kann, 16. September 1943

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Frechen, 16.9.43

Mein lieber Adi!

Wir haben Mittagspause eine ganze Stunde. Die Zeit will ich benutzen, Dir zu schreiben, abends komme ich nämlich auf keinen grünen Zweig. Es ist immer ½ 9 Uhr ehe wir im Frankenforst landen.

Nun, wie geht es Dir noch? Hier ist weiter alles beim Alten. Bitter ist mir, wenn ich abends und morgens an unserem zerstörten Haus vorbei muß. Es gibt doch jedesmal einen kleinen Stich, aber im Grunde genommen ist das ja alles sehr nebensächlich, hauptsache: Du kommst wieder! Wie das mal mit unserer Zukunft werden soll? Ein vorläufig unlösbares Rätsel. Aber auch das werden wir überwinden, gell Peps? Wie sieht es in Rußland aus? Wo steckst Du? Hoffentlich geht es Dir noch gut. Du mußt viel an mich

denken, meine Gedanken begleiten Dich den ganzen Tag über. Immer stell’ ich mir Dich vor, wie Du aussiehst und was Du tust.

Manchmal kommen dann auch grausige Gedanken. Ich habe solche Angst um Dich! Wie froh bin ich, wenn die drei Monate (Frontbewährung für Offizierslaufbahn) herum sind und Du wiederkommst.

Hoffentlich läßt man Dich nur rechtzeitig wieder weg. Dann bleibst Du doch sicher wieder länger hier, wenigstens wirst Du dann so schnell nicht wieder an die Front kommen. Liebster Peps, ich hab’ Dich doch so lieb, jetzt im Moment möchte ich Dir gerne einen Kuß geben. Hast Du mich auch noch lieb, sehr lieb? - Gestern habe ich die erste Post von Dir bekommen. Die Leute in Wittlich haben sie mir gleich nachgeschickt. Hoffentlich kommt bald wieder liebe Post von Dir. Ich habe solche Sehnsucht danach, wenn’s nur ein kleines Kärtchen ist. Schreib’ mir möglichst oft in den Frankenforst, sonst

könnten Deine Eltern eventuell eifersüchtig werden, wenn ich so viel Post bekomme.

Herzliebster, einen heißen Kuß

Deine Annelie