Anneliese Hastenplug an Andreas van Kann, 18. August 1944

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Köln, den 18.8.44.

Mein lieber Adi!

Gestern erhielt ich Deinen lieben Brief „in Raten“ vom 10.8.44. Das ist ja entsetzlich, daß ihr jetzt so wenig Freizeit habt. Und soviel lernen müßt ihr? Hoffentlich hat sich das Tempo nicht deshalb so gesteigert damit der Lehrgang noch früher beendet ist als abgesehen. Ich mache mir solche Gedanken! Heute morgen war „Soldat“ Herr Becker (unser Kassierer) bei uns. Er selbst liegt zur Zeit im Lazarett. Er sagte auch, seine Kameraden seien nach Frankreich ausgerückt, ohne auch nur einen einzigen Tag Abstellurlaub zu bekommen, dabei hätten sie alle mit 16 Tagen Urlaub gerechnet. Hoffentlich geht es Dir nachher nicht genau so! Es ist ja

noch eine lange Zeit bis dahin und es kann sich inzwischen allerhand ereignet haben. Herr Becker meint, bis Ende des Jahres sei der Krieg aus! Ich könnte mich an solche Worte förmlich klammern. Hoffen wir das Beste! - Ich freue mich doch so auf Dich! Jetzt wirst Du bald ganz mir gehören. Den ganzen Tag muß ich daran denken, ich male mir alles so schön aus - und immer wieder tritt ein schwarzes Gespenst dazwischen - der Krieg! - Deine Mutter hat mir gestern meine Papiere gegeben. Ich habe sie nochmal durchgesehen. Es fehlen mir noch die Geburtsurkunde von Mutters Vater und die Heiratsurkunde von Mutters Eltern.

Nun sagte mir heute Frau Stenger, man müßte auch von Eltern und Großeltern die Taufurkunde haben, und ich dachte, ich brauch nur meine Taufurkunde. Soviel ich mich entsinnen kann, hat Adele auch nur die ihre. Weißt Du Bescheid oder kannst Du Dich erkundigen? Dann müßte ich ja noch nach sämtlichen Pfarrämtern schreiben. Mittwoch oder Donnerstag nächster Woche werde ich zum Gesundheitsamt, auf die Polizei und zur Ortsgruppe gehen. Sobald ich dann alles zusammen habe, schicke ich es Dir sofort. Vielleicht fällt unsere Hochzeit schon in den Frieden!

Ach Adschki, ich sehne den Monat November herbei, wenn ich Dich endlich wiederhabe, trotzdem möchte ich wiederum die Monate

Nun sagte mir heute Frau Stenger, man müßte auch von Eltern und Großeltern die Taufurkunde haben, und ich dachte, ich brauch nur meine Taufurkunde. Soviel ich mich entsinnen kann, hat Adele auch nur die ihre. Weißt Du Bescheid oder kannst Du Dich erkundigen? Dann müßte ich ja noch nach sämtlichen Pfarrämtern schreiben. Mittwoch oder Donnerstag nächster Woche werde ich zum Gesundheitsamt, auf die Polizei und zur Ortsgruppe gehen. Sobald ich dann alles zusammen habe, schicke ich es Dir sofort. Vielleicht fällt unsere Hochzeit schon in den Frieden!

Ach Adschki, ich sehne den Monat November herbei, wenn ich Dich endlich wiederhabe, trotzdem möchte ich wiederum die Monate

und hegen, und wie gerne. Am liebsten gleich! Aber Du bist ja soweit weg von mir. Immer sind wir getrennt. Entsetzlich. –

Von Fritz haben wir immer noch nichts gehört. Ich glaub‘ auch kaum mehr an sein Kommen. Auf einmal sind wir noch vor den beiden verheiratet. Daß Du zu der Hochzeit von Adele und Fritz keinen Urlaub bekommst, kann ich mir lebhaft vorstellen. Nun ja, ist halt nichts dran zu machen. –

Deine Eltern waren heute in der Gegend von Bonn Bohnen holen. Wir wollen sie morgen einmachen. Deine Mutter ist schon feste bei der Arbeit. Ich selbst

fahre gleich in den Frankenforst (auf ausdrücklichen Befehl meines Herrn Gemahls!). Das heißt, ich habe selbst auch wahnsinnige Angst.

Mein lieber Liebling, so schließe ich für heute und grüße und küsse Dich ganz lieb und innig.

Deine Annelie