Horst Schmitt an seine Eltern, 8. September 1944

Dänemark,. 8.9.44.

Meine lieben Eltern!

Meinen letzten Brief habt Ihr ja inzwischen erhalten. Leider sind die schönen Tage der Erholung im Revier nun schon wieder um. Gesternnachmittag bin ich nämlich aus dem Revier entlassen worden. Das Fieber hatte nur 2 Tage gedauert. Weil ich nun hier beim Komiß bin, mußte ich mit Fieber über 8 km laufen. Leicht ist mir das nicht gefallen; denn ich war ziemlich schlapp. Heinz habe ich mitgenommen, indem ich dem Leutnant sagte, ich hätte Schwindelanfälle, was ja auch stimmte; denn ich habe ihm was vorgeschwindelt. Im Revier habe ich mit einem anständigen Kölner zusammengelegen. Wir haben uns sehr viel unterhalten. Interessant ist die Belegung des Reviers gewesen. Von der Stabsbatterie, die direkt in der Nähe des Reviers lag, waren die meisten Revierkranken. Die Zweitmeisten stellt unsere Batterie, die von den Geschützbatterien am nächsten liegen. Von den beiden anderen Batterien war keiner da, da von diesen zu Fuß das Revier nicht zu erreichen ist.

Typisch Komiß. Am zweitletzten Tag meines Revieraufenthaltes haben die R.O.B.s eine Intelligenzprüfung gemacht, auf Grund derer zu Zugehörigkeit zum Rechentrupp bestimmt wurde. Ich kam selbstverständlich auch ohne Prüfung dazu. So haben wir jetzt bis zum Schluß unserer Ausbildung jeden Nachmittag Rechenausbildung. Man wird wieder an die „alten Tage“ in der Schule erinnert. Sinus- u. Kosinusformeln sowie Trigonometrie sind an der Tagesordnung. Die Stunden sitzen wir gemütlich unter Dach und Fach. Jetzt sind auch zum ersten Male Neue gekommen, die hier ausgebildet werden. So haben wir auch sonst einen gemütlichen Betrieb. Das ist ja immer noch die Hauptsache. – Mit diesem Briefe geht Euch mein Päckchen Nr. III. ab. Inhalt: 1 kg. Speck gesalzen. Ich hoffe, Ihr könnt es gut gebrauchen. Ist das Geld für Aug. u. Sept. schon geschickt? Auch für Okt. kann es ruhig abgehen. In den nächsten Tagen geht auch Päckchen Nr. IV. ab. Bis dahin viele Grüße

Euer Horst.