B├╝cherverbrennung

In Berlin bewegte sich am späten Abend des 10. Mai 1933 ein langer Fackelzug von Studenten, teils im „Wichs“, Professoren in ihren Talaren, Hitlerjugend, SA und SS vorbei an Tausenden von Schaulustigen von der Universität zum Opernplatz (heute Bebelplatz), wo ein Scheiterhaufen aufgeschichtet war. Dort wurden in einer melodramatischen Zeremonie nach der Verkündigung von „Zwölf Thesen wider den undeutschen Geist“ zentnerweise Bücher von deutschen und auch einigen ausländischen Schriftstellern mit „Feuersprüchen“ verdammt und dann verbrannt. Zur gleichen Zeit fanden unter der Führung der Deutschen Studentenschaft und des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDSB) auch in 21 weiteren Universitätsstädten ähnliche Aktionen statt: vor allem die Werke von „linken“ Intellektuellen, von Juden und aus literarischen Richtungen oder Wissenschaftsbereichen, die sich nicht in die engstirnige Ideologie der neuen Machthaber fügten, wurden ein Raub der Flammen: die von Sigmund Freud, Albert Einstein, Karl Marx, Thomas und Heinrich Mann, Nelly Sachs, Erich Kästner, Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky und Hunderte anderer: Das „Volk der Dichter und Denker“ vernichtete Zehntausende von Bänden, „säuberte“ in der Folgezeit Buchhandlungen und Bibliotheken und trieb seine besten und berühmtesten Köpfe, sofern sie noch lebten, ins Exil oder gar in den Selbstmord. Dieser Aderlass an der deutschen Literatur und Wissenschaft wurde aber von den wenigsten Zeitgenossen in seiner Tragweite erkannt, sie sahen darin meist nur einen Studentenulk. Doch schon etwa ein Jahrhundert zuvor hatte der nun auch verfemte Dichter Heinrich Heine (1797-1856) geschrieben: „Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“ – Und so sollte es ja dann kommen...