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Rolf Schörken

geb. in Wuppertal 1928

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Luftwaffenhelfer

Luftwaffenhelfer: „Wir waren schwere Flak, das war schon was.“

Nach Wuppertal zurückgekehrt meldet sich Rolf nicht wieder beim Jungvolk. In der neuen Nachbarschaft kennt er niemanden, möchte aber nicht mit lauter Unbekannten zum „Dienst“ zusammenkommen. Er hat Glück, denn sein Fernbleiben scheint im Kriegschaos niemandem aufzufallen. Vermutlich sind beim Angriff auf Barmen auch die entsprechenden einige Unterlagen vernichtet wurden.

Allerdings wird Rolf sehr schnell von einer anderen NS-Organisation und damit zugleich auch vom Kriegsgeschehen wieder eingeholt. Er wird für ihn überraschend mit anderen gleichaltrigen Klassenkameraden als Luftwaffenhelfer eingezogen. Dass nun bereits Schüler für Kriegsdienste eingesetzt werden, ist für Rolf kein gutes Anzeichen. Von nun an wird die Angst ein noch engerer Begleiter.

Seine ersten Tage als Luftwaffenhelfer verbringt Rolf in Solingen, wo er niemanden kennt und sich sehr allein fühlt. Der Umgang mit den anderen besteht nur aus dem Entgegennehmen von Befehlen und deren Ausführung. Als er nach kurzer Zeit dann endlich zu der eigentlich für ihn bestimmten Einheit nach Remscheid versetzt wird, wendet sich das zum Besseren. Hier trifft Rolf zu seiner großen Freude seine Klassenkameraden und Freunde wieder.

Mit dem Luftwaffenhelfereinsatz verändert sich für ihn vieles. Aktiv auf feindliche Bomber zu schießen war zuvor unvorstellbar. Nun fühlt sich Rolf plötzlich erwachsen. Und obwohl die Luftwaffenhelfer offiziell Angehörige der HJ sind und daher auch die entsprechenden Armbinden tragen sollen, weigern sich die Jungen, das zu tun. Hitlerjugend, das ist für sie nun „Kinderkram“. Sie fühlen sich als Soldaten und wollen entsprechend behandelt werden. Rachegefühle gegen die Alliierten wegen des Angriffs auf Wuppertal, so Rolf Schörken rückblickend, habe er jedoch nicht gehegt. Er befolgt schlicht Befehle und lebt dabei weiterhin eher in Angst.

Zusätzlich zu ihrem Kriegseinsatz sollen die Jungen in der Flak-Stellung eigentlich weiter unterrichtet werden, doch die meisten Lehrer merken schnell, dass das unter den herrschenden Bedingungen wenig Sinn macht. Nicht nur Situation vor Ort ist belastend, sondern immer häufiger erhalten Mitschüler die Nachricht vom Tod ihres Vaters. Auch Rolfs Vater ist noch zur Wehrmacht eingezogen worden, kehrt später allerdings unbeschadet zurück. Mit der Zeit lernen Rolf und seine Kameraden, mit der ständigen Bedrohung und schlechten Nachrichten umzugehen. Sie versehen einfach ihren Dienst, ohne wirklich darüber nachzudenken.

Wenn die Jungen Urlaub bekommen, fahren sie nach Hause, während sie in ihrer Freizeit manchmal ein Café in der Nähe aufsuchen. Ansonsten hören sie in der Flak-Stellung gern die vom NS-Regime verpönte Jazz-Musik. Dafür nutzen sie, wenn keine Aufsicht in der Nähe ist, die britische Radiostation BBC, die als „Feindsender“ gilt. Rolf ist begeistert von Jazz-Musik und hegt eine tiefe Liebe zu diesem Stil. Das Hören solcher Musik erweckt, wie Rolf Schörken es später formuliert, in ihm die Sehnsucht nach einem anderen, freien Leben fernab von dem überall dominierenden militärischen Drill und dem stetigen Gefühl gehorchen und funktionieren zu müssen.

 

zuletzt bearbeitet am: 06.09.2016