„Untermensch“
Die NS-Rassenideologie teilte die Menschheit in unterschiedlich „wertvolle“ Kategorien ein. Danach waren die „germanischen Völker“, auch als „nordische Rasse“ oder „Arier“ bezeichnet, und hier allen voran die Deutschen allen anderen als heroische „Herrenmenschen“ angeblich moralisch, körperlich, intellektuell und kulturell überlegen.
Dem gegenübergestellt wurden die „Untermenschen“, die vor allem aufgrund ihrer „Rasse“, aber auch aus anderen, zumeist politischen Gründen als minderwertig eingestuft wurden. Mit ihren angeblich „niedrigen Instinkten“ und einem daraus resultierenden „Zerstörungswillen“ galten sie den NS-Ideologen als existentielle Bedrohung, die es zu unterwerfen und – wie Ungeziefer – zu vernichten galt, sobald die Betroffenen für die „Herrenmenschen“ keinen „Nutzwert“ mehr hatten.
An erster Stelle wurden zu den „Untermenschen“ „die“ Juden gezählt, dann Polen und insbesondere Sowjetbürger sowie alle anderen slawischen, afrikanischen und asiatischen Völker, Sinti und Roma sowie – politisch motiviert – Kommunisten. So schloss sich der ideologisch konstruierte Kreis, wonach das „internationale Judentum“ in Russland Kommunismus und Bolschewismus begründet habe, um die „arische Rasse“ zu vernichten und die Weltherrschaft an sich zu reißen.
Der Begriff „Untermensch“ und das damit verknüpfte Menschenbild wurden von einer allgegenwärtigen Propaganda über Reden, Zeitungen, Bücher, Schulunterricht, Hitlerjugend, Rundfunk und Filme zu beängstigenden Feindbilder verdichtet, unablässig verbreitet und so dauerhaft in den Köpfen vieler Deutscher verankert. „Rassenforscher“ versuchten zudem immer wieder, diesen Lehren einen pseudo-wissenschaftlichen Anstrich zu geben. All das trug erheblich dazu bei, moralische Hemmschwellen abzubauen, die hätten verhindern können, dass an den Fronten in Polen und in der Sowjetunion, in Konzentrations- und Vernichtungslagern Menschen millionenfach Untaten begingen, die bis dahin unvorstellbar waren.