Antisemitismus: „Jubelnde Braunhemden und schweigende Zivilisten.“
Mit ihren jüdischen Nachbarn pflegt Familie Strunck einen freundschaftlichen Umgang. Probleme, so erinnert sich Willi Strunck, habe es in dieser Hinsicht nie gegeben. Im Gegenteil: Einer jüdischen Familie, die mit im Haus wohnt und 1934 emigriert, habe sein Vater beim Packen des Hausrates geholfen. „Es war ein sehr gutes Verhältnis, was wir miteinander hatten.“ Es gab auch nie Zwistigkeiten mit anderen jüdischen Mitbewohnern oder jüdischen Familien, die zu Besuch kamen. „Es war so selbstverständlich!“
Er kann sich auch nicht daran erinnern, dass es in seinem unmittelbaren Umfeld in Köln Probleme mit der jüdischen Bevölkerung gegeben habe. Den Boykott der jüdischen Geschäfte am 1. April hingegen hat er sehr stark erlebt und noch heute deutlich vor Augen. Das gilt auch für die Geschehnisse und die Atmosphäre in der Pogromnacht 1938. Die Schändung und Zerstörung der in der Nähe liegenden Synagoge in der Glockengasse empfindet der Achtzehnjährige als „schrecklich“. Er sieht „jubelnde Braunhemden und schweigende andere Zivilisten.“ Aber man habe nichts dagegen sagen können.
