Kriegsbeginn: „Hoffentlich ist ‚Gott mit uns‘!“

„Endlich! Die Entladung ist da. Gegen 10.00 Uhr war Reichstagsitzung und da wurde dann bekannt, dass seit heute Morgen gegen 5.45 Uhr deutsche Truppen die polnischen Grenzen überschreiten“, notiert Willi unter dem 1. September 1939 in sein Tagebuch und ergänzt zwei Tage später nach dem Kriegseintritt Frankreichs und Großbritanniens „Hoffentlich ist ‚Gott mit uns‘!“ Im Interview betrachtet er die damalige Lage dann weitaus sachlicher und distanzierter: „Wir hatten keine Wahl, eigentlich!“

Wenn Willi Strunck im rückblickenden Gespräch auch erzählt, vom Kriegsbeginn damals kaum Notiz genommen zu haben, weil er sich auf sein Abitur konzentriert habe, vermitteln seine Tagebucheinträge einen anderen Eindruck. Er zeigt sich sehr angetan vom schnellen deutschen Vormarsch in Polen und beklagt sich über jene Menschen, die über die aktuelle Situation „meckern“ würden, während er jene, die politisch anderer Meinung sind, gar für gefährlich hält: „Vor allen Dingen jetzt in der älteren Generation. Sie meckern und klagen über Alles, obwohl ihnen noch kein Haar gekrümmt wurde, obwohl sie noch nicht verhungert sind und obwohl noch keine Bombe geplatzt ist. Es gibt Leute die meckern nur. Diese sind harmlos. Es gibt Leute, die hoffen auf eine Revolution. Diese Gesinnungslumpen sollte man an die Wand stellen!“

Der Kriegsbeginn ist insbesondere für Willis Vater Heinrich mit furchtbaren Erinnerungen verknüpft, denn er hat den Ersten Weltkrieg mit all seinen Schrecken mitgemacht. Alle Befürchtungen sollten schließlich noch übertroffen werden, vor allem weil zwei seiner vier Söhne nicht mehr nach Hause zurückkehren werden.