„Briefe der Kameraden“ und Feldpost: „Lebensgestaltung in Christus“
In den 1980er Jahren schreibt Willi Strunck in seiner „Familien-Chronik“: „Der Moloch Krieg schluckte unsere Jungen einschließlich meiner Pimpfe, riss uns räumlich auseinander und zerstreute uns und damit den Bund über fast alle Länder Europas.“ Dennoch habe man sich weiterhin dem ND-Ideal einer „Lebensgestaltung in Christus“ verpflichtet gefühlt, was dazu führt, das Willis Klassen- und ND-Kamerad Leo Custodis, der aufgrund einer Dienstverpflichtung bei den Augsburger Messerschmitt-Werken nicht zur Wehrmacht eingezogen worden ist, auf seine Anregung hin ab Sommer 1940 Auszüge der ihm von vielen NDern zugehenden Feldpostbriefe zu den „Briefen der Kameraden“ zusammenzuführen, zu vervielfältigen und an die Fronten zu schicken. Neben Adressenaustausch und Informationen werden in diesen Briefen auch philosophische und theologische Fragen erörtert. Die Korrespondenzgruppe umfasst mehr als ein Dutzend ehemaliger NDer.
Ihr abruptes Ende finden die Briefe Kameraden am 8. Januar 1943, als die Augsburger Gestapo bei Leo Custodis erscheint und Schriftwechsel sowie Schreibmaschine beschlagnahmt. Er selbst wird mehrmals von der Gestapo verhört. Auch danach bleiben einige ehemaligen Fähnleinführer weiter in brieflichem Kontakt, der unter den neuen Umständen aber an Intensität nachlässt.
Willi selbst ist während seiner gesamten Wehrmachtszeit ein eifriger Briefeschreiber. Das gilt in erster Linie für seine Verlobte und Ehefrau Maria, mit der er im regelmäßigen Austausch steht. Seine Briefe dienen in erster Linie der Beruhigung und der Versicherung der tiefen Zuneigung und geben daher keinen wahren Eindruck der Verhältnisse vor Ort. Er habe sich, so gesteht Willi Strunck seiner Frau später in der „Familien-Chronik“, stets bemüht, „alles, aber auch wirklich alles herunterzuspielen, nur um Dich nicht unruhig zu machen“.
Auch mit seinen Brüdern, den guten Freunden der Familie Fein und weiteren Freunden unterhält er zum Teil ausführliche Korrespondenzen, die allen Beteiligten das von Sorge und täglicher Angst geprägte Leben erleichtern. All diese Briefe sind hier an anderer Stelle zugänglich.
