Feldpost: „Nun schreib doch! Das ist das einzige, was wir haben!“

Die Kommunikation der während des Krieges weit verstreut lebenden Familienangehörigen und Freunde ist praktisch nur über Briefverkehr möglich: „Die Feldpost hat eigentlich gut geklappt“, erinnert sich Liesel Schäfer-Strausfeld. Allerdings seien mit den Verzögerungen, mit denen die Briefe mitunter zugestellt worden seien, oftmals große Verunsicherungen einhergegangen. Jedes Mal, wenn Nachrichten von der Front eingetroffen seien, habe man bereits auf die nächste gewartet, weil man bis dahin nie gewusst habe, ob Mann, Vater, Bruder oder Freund überhaupt noch lebe.

Liesel selbst unterhält mit vielen Soldaten briefliche Kontakte. Natürlich schreibt sie vor allem ihren Brüdern, aber auch solchen jungen Männern, die sie aus der katholischen Jugendarbeit kennt. Die philosophischen oder theologischen Diskussionen, die man zuvor in Köln geführt hat, werden so brieflich fortgesetzt. Aber auch anderen, ihr zuvor unbekannten Soldaten schreibt sie, sind Briefe doch häufig Hoffnungsträger in der Einsamkeit und Sinnlosigkeit an der Front: „Nun schreib doch! Das ist das einzige, was wir haben!“

In der Rückschau ist Liesel Schäfer-Strausfeld allerdings immer wieder erstaunt über die Siegeszuversicht, die sich in manchen der Briefe auch noch gegen Ende des Krieges zeigt. Dennoch bleibt für sie Erkenntnis: „Jetzt, wo ich sie auf meine alten Tage noch mal lese, denke ich: Mein Gott, was war das wichtig!“ Die Frage, inwieweit solche Korrespondenzen auch systemstabilisierend gewirkt haben könnten, habe damals – zumindest für sie – keinerlei Rolle gespielt: „In dem Moment ist mir das System scheißegal, weil es Menschen sind!“