Nachwirkungen: „Zukunft gestalten!“
Liesel Schäfer-Strausfeld erfährt auch noch Jahrzehnte später Anerkennung für ihre Jugendarbeit während des Krieges und in der unmittelbaren Nachkriegszeit. So habe eine Mutter von zwei ihrer Gruppenmitglieder sehr viel später erzählt, für ihre Töchter sei „die Zeit in Deiner Gruppe die schönste ihres Lebens gewesen“. Auch wenn eine solche Vorstellung kaum mit den widrigen Lebensbedingungen in Einklang gebracht werden könne, habe diese Mutter auch wieder Recht gehabt: „Wir hatten Krieg, und wir hatten Nazis, und wir haben trotzdem Lebensfreude gehabt.“ Das „Gemeinschaftserlebnis sei es gewesen, was viele der jungen Mädchen damals getragen und wohl auch weit über das Kriegsende hinaus gewirkt habe.
Um möglichst viele der Jugendlichen aus ihren negativen Erfahrungen der untergegangenen NS-Zeit in die Gegenwart zu holen, entfaltet Liesel mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern ein umfangreiches Kulturprogramm. Das Motto hieß: „Zukunft gestalten!“ Und das alles „ohne Geld“, sondern ausschließlich „Aus Spaß am Leben“.
Hier schließt sich auch ein Stück weit der Kreis von Liesel Schäfer-Strausfelds Engagement in der katholischen Jugendarbeit: Ihre gesamte Arbeit in der Pfarre und mit ihren Gruppen, sei eine „Mischung aus religiöser Überzeugung, aus Spaß am Ausprobieren und am Neuen sowie aus Gemeinschaftsfreude“ gewesen.
Außerdem, da ist sie sich absolut sicher, habe ihr stets die Heiterkeit geholfen, die sie in der Großfamilie erfahren habe. Selbst in schwierigsten Situationen hätte bei ihr stets „die Fröhlichkeit und das Lachen“ ihrer Kinder- und Jugendzeit im Elternhaus nahgehallt. Das sei dann später ergänzt worden vom dauerhaften Familienzusammenhalt, selbst wenn man sich aufgrund von Umzügen zwischendurch oft jahrelang nicht gesehen habe. „Aber wenn es nötig war, dann war immer einer für den anderen da!“
Es seien, so schließt Liesel Schäfer-Strausfeld ihre lebensgeschichtliche Erzählung, in der Hauptsache zwei Elemente gewesen, die sie die NS-Zeit und andere schwierige Phasen unbeschadet überleben ließen: „Das war die Familie und das war die Gemeinde.“
Unvergesslich blieb ihr stets die erste Nachkriegsprozession ihrer Pfarrgemeinde: „Ich weiß noch genau. Dieses Gefühl: Keine Hakenkreuze mehr. Keine anderen Fahnen mehr. Das kann jemand, der das nicht erlebt hat, nicht nachfühlen, was das für ein Hochgefühl war.“
