Jugendgruppen

Die 1920er Jahre waren ein Jahrzehnt aufstrebender Jugendgruppen und von deren Organisationen. Ob konfessionell, politisch oder bündisch orientierte Gruppen: sie nahmen erheblich an Größe zu, gewannen deutlich an Selbstvertrauen und traten mit Beginn der 1930er Jahre zunehmend formiert und uniformiert auf. Nach 1933 beanspruchte dann die Hitlerjugend den Alleinvertretungsanspruch für den Jugendbereich, während alle anderen Gruppierungen nach und nach verboten wurden. Das rief schließlich – und besonders im Krieg - die Gruppen unangepasster Jugendlicher auf den Plan.

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Die "Kinderrepublik" Seekamp (1927)

Arbeiterjugend - Einleitendes

 
 

Unter „Jugendbewegung" wird in Deutschland traditionell die bürgerliche Jugendbewegung verstanden, die großen Wert darauf legte, keinesfalls als „Nachwuchsorganisation" einer Partei zu gelten. Tatsächlich dauerte es bis Anfang es 20. Jahrhunderts, ehe aus Protest gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen Jugendlicher daneben die Arbeiterjugendbewegung entstand, die bestrebt war, deren wirtschaftliche und soziale Lage zu verbessern. [1] Ihre Gruppen verstanden sich dabei zugleich als politisches und kulturelles Lernfeld und wollten ihren Mitgliedern einen jugendgemäßen Erlebnisraum bieten. Daher ging es der frühen Arbeiterjugendbewegung nicht in erster Linie um „politischen Kampf", sondern sie versuchte vielmehr, ihren Mitgliedern moralische und ethische Werte sowie Kompetenzen für politisches und soziales Handeln zu vermitteln.

Die sozialistische Arbeiterjugendbewegung wurde nicht von oben, d.h. durch Beschlüsse der Parteileitung ins Leben gerufen, sondern sie entstand ausschließlich auf Initiative der Jugendlichen selbst, die sich ganz selbstverständlich als Teil der Jugendbewegung sahen. Gemeinsam waren beiden Seiten Selbstbestimmtheit und eine eigene Jugendkultur, wobei sich die Arbeiterjugendbewegung durch ihre gleichzeitige entschiedene politische Orientierung allerdings deutlich von der „Bündischen Jugend" abhob. Als bestes Beispiel hierfür kann die Arbeit der „Kinderfreunde" in den von ihnen durchgeführten „Kinderrepubliken" gelten.

Das ausgeprägte Streben nach Selbstständigkeit stieß in großen Teilen der SPD auf Ablehnung und wurde als Ärgernis empfunden. Die Parteileitung versuchte immer wieder - und darin beispielsweise der katholischen Kirche in ihrem Verhältnis zu den katholischen Jugendverbänden nicht unähnlich -, die Organisationen der Arbeiterjugend in die Disziplin des Parteiapparates und einzubinden und für Parteizwecke zu nutzen.

Wie schon vor 1918, blieben die Verbände der Arbeiterjugend auch in den Weimarer Jahren stets eine Minderheit in der Größenordnung von rund 100.000 Mädchen und Jungen zwischen 14 und 18 Jahren. Dieser Mitgliederbestand, der von den großen konfessionellen Verbänden um ein Mehrfaches übertroffen wurde, war zudem einer hohen Fluktuation unterworfen. Zudem kam es wie im linken Parteispektrum der Erwachsenen auch in der Arbeiterjugendbewegung zu Spaltungen, wobei in den Weimarer Jahren zwei große Jugendverbände, die Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ) und der Kommunistische Jugendverband (KJVD) als Vorfeldorganisationen von SPD bzw. KPD dominierten. Beide versuchten, kulturelle und politische Arbeit als Einheit in die Tat umzusetzen. Obwohl sie dabei häufig gleiche oder ähnliche Symbole und Kampfformen wählten, gelang es auch ihnen nicht, sich auf einen gemeinsamen Weg zu einigen; die häufig diametral entgegengesetzten Auffassungen über den richtigen Weg zum Sozialismus blieben bis 1933 und darüber hinaus unüberbrückbar.

 
Fußnoten

[1] Die folgende Darstellung folgt in weiten Teilen den Beiträgen im Sammelband: Heinrich Eppe/Ulrich Herrmann (Hg.): Sozialistische Jugend im 20. Jahrhundert. Studien zur Entwicklung und politischen Praxis der Arbeiterjugendbewegung in Deutschland, Weinheim/München 2008., ohne das darauf stets hingewiesen wird. Vgl. zudem Heidi Behrens-Cobet: „Pioniere der sozialistischen Lebensgestaltung"; in: Wilfried Breyvogel u.a. (Hg.): Land der Hoffnung - Land der Krise. Jugendkulturen im Ruhrgebiet 1900-1987, Berlin/Bonn 1987, S. 79

 

zuletzt bearbeitet am: 18.04.2016