Jugendgruppen

Die 1920er Jahre waren ein Jahrzehnt aufstrebender Jugendgruppen und von deren Organisationen. Ob konfessionell, politisch oder bündisch orientierte Gruppen: sie nahmen erheblich an Größe zu, gewannen deutlich an Selbstvertrauen und traten mit Beginn der 1930er Jahre zunehmend formiert und uniformiert auf. Nach 1933 beanspruchte dann die Hitlerjugend den Alleinvertretungsanspruch für den Jugendbereich, während alle anderen Gruppierungen nach und nach verboten wurden. Das rief schließlich – und besonders im Krieg - die Gruppen unangepasster Jugendlicher auf den Plan.

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Hitlerjugend in Essen
Archivmaterialien
Jahresarbeit am Gymnasium Essen-Borbeck (1936)
Mein Dienst im Jungvolk (1934-1944)

Die Hitlerjugend

 
 

Unmittelbar nach der NS-Machtübernahme erhob die Hitlerjugend den Anspruch, als „Staatsjugend" die einzige Jugendorganisation im Deutschen Reich zu sein.

Dabei waren die Anfänge der 1926 gegründeten HJ recht bescheiden. Nach 1933 stieg ihre Mitgliedszahl dann aber reichsweit von rund 100.00 im Jahr 1932 auf mehr als 8,7 Millionen Jugendliche im Jahr 1939 an. Im Dezember 1936 wurde die zuvor zumindest formell freiwillige Mitgliedschaft verbindlich, im März 1939 dann vorgeschrieben, so dass nahezu alle Jugendlichen der HJ angehörten.

Hier wurden sie nach Alter und Geschlecht getrennt in gesonderten Formationen erfasst. Im Deutschen Jungvolk und im Jungmädelbund waren die 10 -14 Jährigen organisiert, in der HJ im engeren Sinne und im Bund Deutscher Mädel die Jungen und Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren. Hinzu kamen zahlreiche Sonderformationen wie Flieger-HJ, Marine-HJ, Reiter-HJ oder Motor-HJ, die als besonders attraktiv galten.

„Jugend führt Jugend" hieß es in der HJ, um so eine - real nicht existente - Unabhängigkeit von der Erwachsenenwelt zu suggerieren. Letztlich ging es darum, die Jugend ideologisch zu beeinflussen, die Jungen einer permanenten Wehrerziehung zu unterziehen und die Mädchen auf ihre Aufgabe als Mütter vorzubereiten. Sie alle sollten straff „formiert" erzogen werden, was durch vielfältige - hier in einem eigenen Punkt vorgestellte - Formen der Lagererziehung während des „Landjahres" oder im „Reichsarbeitsdienst" ergänzt wurde.

Das NS-Regime musste die meisten Jugendlichen aber nicht in die HJ hineinzwingen, denn viele Heranwachsende fühlten sich durch die dort eröffneten Möglichkeiten angezogen. Wandern, singen und spielen jenseits der Erwachsenenwelt in neuen eigenen Heimen, die Teilnahme an perfekt inszenierten Großveranstaltungen und einfach auch das Gefühl des „Dazugehörens" ließen es für die meisten Kinder und Jugendlichen zumeist selbstverständlich erscheinen, aus freien Stücken Teil der Staatsjugend zu werden und dort Aufgaben zu übernehmen.

 

zuletzt bearbeitet am: 18.04.2016