Kriegsende: „Da kommen die Franzosen – und die waren nicht nur freundlich!“
Das Kriegsende erlebt auch Liesel, trotz ihrer grundsätzlichen Opposition zum Nationalsozialismus, wie der größte Teil der Deutschen mit sehr gemischten Gefühlen. Immerhin hat ihre Mutter Selma dadurch zu großer Verzweiflung vorgebeugt, dass sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1944 mit Blick auf Adolf Hitler immer wieder gewarnt hat: „Wenn der auch noch den Krieg gewinnt, dann Gnade uns Gott!“
Insbesondere für all jene, die keine feste Orientierung und keinen Halt außerhalb der NS-Ideologie haben, ist der Zusammenbruch all dessen, an das sie – viele nur zu gern – jahrelang fest geglaubt haben, bedrückend und erschütternd. Liesel hat Freundinnen, die sich anschließend in psychiatrische Behandlung begeben müssen, einen ihrer Brüder zieht es orientierungslos zur Fremdenlegion. „Es war schlimm!“, kommentiert Liesel Schäfer-Strausfeld in der Rückschau. Zugleich entwickelt die Nachkriegsgesellschaft aber auch ein sehr großes uneigennütziges Engagement für viele derjenigen, denen es schlecht geht. Insgesamt, sei das Bedauern über den Ausgang des Krieges und die deutsche Niederlage „wider jede Vernunft“ gewesen „Und trotzdem gab es das!“
Liesel hasst es in der ersten Zeit, den Siegern zu begegnen: „Da kommen die Franzosen – und die waren nicht nur freundlich!“ Andererseits wird ihr aber auch mehr und mehr bewusst, wie massiv alle von der Wehrmacht besetzten Länder unter den Deutschen gelitten haben, was ihr diesbezügliches Verstehen wachsen lässt.
