geborene Schottländer
geb. in Köln 1917
Früh an diesem Morgen ging ich wie immer ins Geschäft und sah von weitem in den Drähten der Straßenbahnlinie vor dem Laden Kleider und Anzüge, Blusen und Röcke hängen. Ich hatte schon unterwegs ein Geschäft an der Weyerstraße gesehen, das zertrümmert war - das Geschäft Gebr. Sommer, sah ich jetzt, hatten sie total demoliert. Ich bin dann zur Synagoge in der Roonstraße gelaufen und habe sie brennen sehen.
Es waren viele Leute auf der Straße. Die Leute haben sich ganz gut amüsiert. Ich meine, es gab sicher auch welche, die das, was passierte, nicht wollten. Es gab überhaupt sehr viele Christen, die das nicht wollten. Auch zu uns ist man ja gekommen und hat gesagt: „Also, gegen Euch haben wir ja gar nichts. Gegen Euch haben wir wirklich nichts, aber wir können nicht anders. Wir müssen da mit.“
Unsere Wohnung in der Moselstraße - das war damals eine Arbeitergegend - wurde nicht zerstört. Wir waren die einzigen Juden im Haus und wohnten Parterre. Uns hatte man aus irgendeinem Grund nicht behelligt.
Das Geschäft Gebr. Sommer wurde nicht wieder aufgemacht, und die Besitzer, Siegfried Sommer, sein Schwager Iwan Berger und der Schwiegervater, ein Herr Scheuer aus Ehrenfeld, wanderten dann gleich in die USA aus.
Im August 1938 nahm sich mein Vater das Leben. Der zunehmende Druck wie auch persönliche Schwierigkeiten hatten ihn keinen Ausweg mehr sehen lassen.
zuletzt bearbeitet am: 31.10.2022