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Hannelore Hausmann

geb. in Köln 1928

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„Mir tut keiner was“ - Schicksal des Vaters

Hannelore besucht den Vater nach der Trennung der Eltern 1939 regelmäßig in seiner Unterkunft in der Neusser Straße 722. „Er hatte ein nettes kleines Zimmer, und ich fühlte mich wohl dort.“ Manchmal verbringt sie sogar das Wochenende bei ihm. „Da war ich ganz sein Kind. Und wenn ich zu Hause war, war ich ganz das Kind meiner Mutter.“

Statt wie früher ins Kino oder ins Café zu gehen, bummeln sie nun gemeinsam durch die Stadt, sitzen im Park verbotswidrig auf Bänken, die „arischen“ Spaziergängern vorbehalten sind, oder sehen sich in den Foyers der Kinos die Filmplakate an. „Wir haben uns eingeredet, dass das auch schön war. Alles andere war ja verboten.“

Noch fühlt sich Siegbert Hausmann trotz aller Repressalien sicher in Deutschland. Als Hannelore ihn nach der Abreise des Bruders fragt, ob er das Land nicht ebenfalls verlassen möchte, reagiert der 53-Jährige empört. „Ich habe im Ersten Weltkrieg in Russland gekämpft“, sagt er. „Ich habe sämtliche Auszeichnungen. Mir tut keiner was.“

Wie sehr er sich irrt, begreift Siegbert Hausmann erst, als es zu spät ist. Zunächst wird er zur Zwangsarbeit verpflichtet und arbeitet zwölf Stunden am Tag auf einer Baustelle in Köln-Deutz. Hannelore besucht ihn dort jeden Tag nach der Schule. „Die anderen Männer, die da arbeiteten, waren ebenfalls Juden aus besseren Kreisen. Wenn ich kam, verbeugten sie sich ein bisschen, und ich kam mir vor wie eine Prinzessin.“

Siegbert Hausmann verschweigt seiner Tochter die harten Arbeitsbedingungen auf dem Bau. „Er sagte immer, dass es ihm gut geht.“ Dass dem nicht so war, erfährt sie erst Jahre später aus Briefen, die Siegbert Hausmann an Walter nach England schreibt.

1942 muss der 56-Jährige sein Zimmer räumen, in dem er drei Jahre zur Untermiete gewohnt hat, und wird in eine Turnhalle in der Neusserstraße 592 eingewiesen. Er solle, teilt man ihm mit, in den nächsten Wochen deportiert werden. Auch jetzt besucht Hannelore den Vater, so oft sie kann, obwohl das streng verboten ist. Die Lebensumstände der Menschen in der Turnhalle seien furchtbar gewesen, erinnert sie sich. „Die Betten standen übereinander, und jeder hatte sein Hab und Gut darauf liegen.“ Wann immer es geht, bringt sie dem Vater etwas zu essen mit – „ich bekam damals noch Lebensmittelmarken“ – und wäscht seine Wäsche.

Schließlich ist es soweit. „Er sagte: Ich werde verschickt. Morgen bin ich in Deutz auf dem Bahnhof. Da fährt unser Zug ab.“ Doch im letzten Moment wird seine Deportation ausgesetzt, und Siegbert Hausmann muss in ein Ghettohaus in der Beethovenstraße umziehen. Das Angebot von Hannelores Patentante Käthe, ihn bei sich zu verstecken, lehnt er ab. Er will die Familie seiner ehemaligen Schwägerin nicht gefährden. Und außerdem: „Ein Hausmann versteckt sich nicht.“

Im Juli 1942 trifft Hannelore den Vater ein letztes Mal im Ghettohaus in der Beethovenstraße. Der Abschied ist kurz und von der vagen Hoffnung bestimmt, sich bald wiederzusehen. „Irgendwie hatte ich das Gefühl, vielleicht wird er wieder zurückgestellt“, sagt Hannelore Hausmann. „Aber das war nicht so. Die nächste Post bekam ich aus Theresienstadt.“ Siegbert Hausmann war am 27. Juli deportiert worden.

 

zuletzt bearbeitet am: 31.10.2022