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Gerda Altpeter

geborene Rappaport
geb. in Detmold 1926

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Gerda Altpeter (geb. Rappaport) (1926)

Gerda Rappaport, später verheiratete Altpeter, wird am 30. Juli 1926 in Detmold geboren. Ihr Vater Philipp Rappaport ist ein international renommierter Bauingenieur und Stadtplaner und leitet als Direktor den Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk. Gerda und ihre drei älteren Brüdern wachsen in entsprechend wohlhabenden Verhältnissen auf.

Mit dem Jahr 1933 endet jäh das sorgenfreie Leben der Familie, denn obschon sich die Rappaports bereits um 1880 hatten evangelisch taufen lassen, gilt Philipp gemäß der rassenideologischen Kriterien der Nationalsozialisten fortan als Jude, seine Kinder sind „Mischlinge 1. Grades". Wenige Monate nach der NS-Machtübernahme verliert der Vater zudem seine Stellung.

Gerda erlebt den Einschnitt 1933 als „furchtbar". Als „jüdischer Mischling" ist sie ebenfalls der alltäglichen Ausgrenzung und den antisemitischen Gesetzen und Verordnungen unterworfen. Ihre Mitschülerinnen auf der Maria-Wächtler-Schule grenzen sich von ihr ab, und Hitlerjungen aus der Nachbarschaft verprügeln sie auf der Straße. 1942 wird Gerda vom Gymnasium verwiesen, absolviert ihr Pflichtjahr und tritt anschließend eine Stelle im Chemieunternehmen Th. Goldschmidt AG an.

Die evangelische Kirche bietet der Familie Rappaport in den Zeiten der Verfolgung einen Hort der Zuflucht und Geborgenheit. Gerda engagiert sich in den Mädchen-Bibelkreisen und der Stadtmission um Vikarin Kaufmann.

Im September 1944 wird ihr Vater in ein Arbeitslager deportiert. Auch Gerda und sogar ihrer „arischen" Mutter droht die Verhaftung. Daher fliehen beide zu Verwandten nach Hiddesen und in das mecklenburgische Vietow. Doch immer wieder kehren sie nach wenigen Wochen zurück nach Essen, denn das vertraute Umfeld erscheint ihnen sicherer als das mecklenburgische Exil.

Anfang 1945 flieht Philipp Rappaport aus dem Arbeitslager und versteckt sich mit Gerdas Hilfe in Essen. Die evangelischen Pfarrer Heinrich Held und Alfred Neuse nehmen den Flüchtling auf.

Im Frühjahr 1945 wird die Familie Rappaport in Essen von den Amerikanern befreit. Gerda Altpeter lebt heute (2012) in Susten (Schweiz). Über die Erlebnisse ihrer Kindheit und Jugend verfasste sie ein umfangreiches Buch: "Dem Holocaust entkommen. Biographische Rückschau einer Christin jüdischer Herkunft aus Essen", das 1995 in der Schriftenreihe des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland erschien und noch lieferbar ist.

 

zuletzt bearbeitet am: 25.04.2016