Folge 2: Lehrerbildung (13.5.1938)

Dieser aus drei Schallplatten mit insgesamt vier bespielten Seiten bestehende Beitrag wurde am 13. Mai 1938 von der Reichsrundfunkgesellschaft aufgezeichnet. Die Matrizennummern lauten 45519 bis 45522. Veröffentlicht wurde er auf dem Weißlabel der „Polydor“ unter der Nummer 3823 (1 bis 4)

Es handelt sich um eine Unterhaltung zwischen Otto Freundorfer[1] und Direktor der Hochschule für Lehrerbildung in Lauenburg, Prof. Dr. Paul Bode[2] „über die Aufgaben dieser Hochschulen (Formung des neuen deutschen Lehrers)“. Die Aufnahme in einer Länge von 13:43 Minuten wurde in der Hochschule für Lehrerbildung in Lauenburg aufgenommen. Es handelt sich um die zweite Folge der monatlich über den Kurzwellensender ausgestrahlten Sendereihe „Deutsche Jugenderziehung“.[3]

Inhaltlich geht es um die Vorstellung der Einrichtung in Lauenburg, die im Juli 1933 als erste Hochschule für Lehrerbildung, gegründet worden war. Bis zum Tag der Aufzeichnung, als den 28. Mai 1938, so wurde betont, würden 28 solcher Hochschulen existieren. Gerade acht Tagezuvor war die Lauenburger Hochschule in einen Neubau umgezogen, der nun kurz vor der Einweihung stand. Weiter heißt es, dass die Studenten „aus allen Provinzen Deutschlands“ kommen würden, in erster Linie aber aus Pommern. Sie hätten zuvor den Reichsarbeitsdienst und/oder die Wehrmacht durchlaufen, wo sie bereits eine erste wichtige „Formung“ erhalten hätten. Manche kämen auch direkt aus dem Landjahr oder aus anderen Bereichen der Jugendführung, in denen sie sich in der erzieherischen Praxis bewährt hätten, auf die Hochschule, was dem NS-Grundsatz entspreche, wonach jeder Tüchtige einen von ihm erwählten Beruf ausüben könne. In Lauenburg und anderen Ausbildungsorten könnten sie dann die wissenschaftlichen Lücken durch Fleiß schnell auffüllen. Dabei wurde betont, dass Landjahr-Absolventen anderen Studenten vieles voraus hätten.

Der Blick auf die vergangene Lehrerbildung fällt naturgemäß äußerst negativ aus: Früher sei die Ausbildung zu „wissensmäßig“ ausgerichtet gewesen und habe vorwiegend den Lehrer im Auge gehabt. „Wir wollen den nationalsozialistischen Volkserzieher erziehen.“ Der Begriff der Erziehungswissenschaften habe sich deutlich geändert und umfasse nunmehr auch die Bereiche der Volks- und der Rassenkunde. Außerdem sei Vorsorge dafür getroffen worden, dass der Lehrer nicht einseitig ausgebildet werde, weshalb auf eine „lebendige Beziehung zwischen Lehrbetrieb und Leben“ Wert gelegt werde. Am wichtigsten aller war wohl: „Der neue deutsche Volkserzieher trägt die Züge des braunen Kämpfers. Er steht und kämpft als politischer Soldat Adolf Hitlers.“ 

 
Fußnoten

[1] Otto Freundorfer war ab 1926 im Münchner Sender als Reporter und Sprecher tätig. (vgl. https://www.swr.de/-/id=12101018/property=download/nid=660374/ht3rtd/swr2-wissen-20131029.pdf).

[2] Der Pädagoge und Hochschullehrer Paul Bode wurde am 20. August 1883 in Lehrte als Sohn eines Malermeisters geboren und starb 1977. Nach der Volksschule besuchte er von 1898 bis 1900 zunächst die Präparandenanstalt zur Vorbereitung auf das Lehrerseminar, um dann in Lüneburg das dortige evangelische Lehrerseminars zu absolvieren, wo er im September 1903 seine Erste Lehrerprüfung ab. Danach unterrichtete er bis zum März 1907 als Schulamtsanwärter an der einklassigen Volksschule in Breetze im Landkreis Lüneburg. Nach 1933 war Bode in der Lehrerausbildung tätig und lehrte – unterbrochen durch eine bis April 1941 andauernde Zeit bei der Wehrmacht - bis 1945 als Direktor und mit dem Titel „Professor“ in Lauenburg in Pommern an der dortigen Lehrerinnenbildungsanstalt. Am 9. März 1945 floh er mit dem letzten Transport per Schiff vor den anrückenden Roten Armee über die Ostsee nach Schleswig-Holstein. 1947 kehrte Paul Bode in seine Heimatstadt Lehrte zurück, wo er zunächst als Arbeiter in einem landwirtschaftlichen Betrieb tätig war, bevor er Mitte 1948 das Renteneintrittsalter von 65 Lebensjahren erreicht (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Bode_(P%C3%A4dagoge,_1883). In Lauenburg wurden zwischen 1933 und 1945 rund 3.000 Lehrer von etwa 25 Dozenten ausgebildet. Unter ihrem ersten, bis 1934 amtierenden unter dem ersten Direktor Franz Kade (1893-1987) wurde in der Ausbildung „die Arbeit in der Landschaft“ und der „Ausbau der soldatischen Erziehung“ als Ausbildungsprinzip betont (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hochschule_f%C3%BCr_Lehrerbildung_Lauenburg). [3] Angaben nach Schallaufnahmen der Reichs-Rundfunk GmbH von Anfang 1936 bis Anfang 1939, S. 215