Folge 5: Körperliche Ertüchtigung (16.9.1938)

Dieser aus drei Schallplatten mit insgesamt vier bespielten Seiten bestehende Beitrag wurde am 16. September 1938 von der Reichsrundfunkgesellschaft aufgezeichnet. Die Matrizennummern lauten 47821 bis 47824. Veröffentlicht wurde er auf dem Weißlabel der „Polydor“ unter der Nummer 3840 (Teil 1 bis 4)

Es handelt sich um eine Unterhaltung zwischen Otto Freundorfer[1] mit Ministerialrat Dr. Georg Husadel über Sporterziehung und körperliche Ertüchtigung. Diesen Bereichen der Jugenderziehung komme heute eine ganz andere Bedeutung zu als in früheren Zeiten.“ Wir wollen doch bekanntlich die Gemeinschaft. Zu ihr erzieht man aber nicht durch theoretisches Reden, sondern durch Spiel, Sport und Turnen.“ Um das zu gewährleisten, gelte es den „Typ des Lehrers“ zu vereinheitlichen. Weil die NS-Erziehung sich an die Gesamtpersönlichkeit wenden würde, müsse der Erzieher die ganze Persönlichkeit seiner Schüler „zu packen“ verstehen - auch „vom Leibe her“. Dabei müsse der Lehrer zugleich Beispiel geben und Vorbild sein und sowohl „Mannschafts-„ als auch und „Führergeist“ besitzen. Das galt den Verantwortlichen deshalb als besonders wichtig, weil in der Schule Jahrgänge erfasst würden, die noch keiner NS-Organisation angehören. Dabei sollte sich die Schule in dieser Hinsicht die Aufgaben mit der Hitlerjugend und dem Bund für Leibeserziehung teilen, wobei darauf zu achten sei, dass der Schule als Erziehungseinrichtung nicht gerade das genommen werde, was die Jugend begeistern würde.

Bei den älteren lässt die Reife Raum für die Erziehung zu Härte und Einsatzbereitschaft. Wichtig sei im Sportunterricht aber stets der „Gemeinschaftsgeist“, den es insbesondere im Spiel zu fördern gelte. „Wer ein Tor schießt, ist gleichgültig, die Mannschaft ist das Ziel.“ Auf ein solchen Maxime würden später dann Wehrmacht, SA, SS und vergleichbare Einheiten aufbauen können.

Entsprechende Änderungen müssten auch an den Hochschulen Platz greifen, weil die „intellektualisierte Ausbildung der Vergangenheit“ nicht den Wissenschaftler hervorbringen, den der Nationalsozialismus einfordere. Auch Lehre und Forschung hätten ausschließlich dem „Volksganzen“ dienen. „Die wahre Freiheit des Geistes kann nur dort blühen, wo der Leib nicht als ein notwendiges Übel erkannt wird, sondern wo durch den gesunden, beherrschten und disziplinierten Leib der wahrhaftige Adel des Geistes erreicht wird.“

 

[1] Otto Freundorfer war ab 1926 im Münchner Sender als Reporter und Sprecher tätig. (vgl. https://www.swr.de/-/id=12101018/property=download/nid=660374/ht3rtd/swr2-wissen-20131029.pdf).