Folge 3: Nationalpolitische Erziehungsanstalten (7.6.1938)

Dieser aus zwei   Schallplatten mit insgesamt vier bespielten Seiten bestehende Beitrag wurde am 7. Juni 1938 von der Reichsrundfunkgesellschaft aufgezeichnet. Die Matrizennummern lauten 460600 bis 460602. Veröffentlicht wurde er auf dem Weißlabel der „Polydor“ unter der Nummer 3829 (Teil 1 bis 4)

Es handelt sich um eine Unterhaltung zwischen Kurt Kißhauer mit Hans Glaunig, Ministerialpressereferent im Reichserziehungsministerium[1], und SS-Obergruppenführer Dr. Adolf Schiefer „über das Wesen der nationalpolitischen Erziehungsanstalten. Die Aufnahme hat eine Länge von 13:58 Minuten. Es handelt sich um die dritte Folge der monatlich für den Kurzwellensender produzierten Sendereihe „Deutsche Jugenderziehung“.[2]

Unter anderem heißt es: „Die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten, die Reichserziehungsminister Rust am Geburtstag des Führers im Jahre 1933 ins Leben gerufen hat, sind Musterstätten nationalsozialistischer Gemeinschaftserziehung, sie sollen durch eine besonders vielseitige und harte jahrelange Erziehung im deutschen Volk Männer heranbilden, die den hohen Anforderungen gewachsen sind, die einmal an die kommende Führergeneration des deutschen Volks gestellt werden müssen.“ Das Ziel der Ausbildung in NPEAs, so wird betont, stimme mit den Maximen nationalsozialistischer Erziehung überein, wonach es vorrangig darum gehe, die gesamte Persönlichkeit eines Menschen auf Grundlage „der Kenntnisse der unteilbaren Einheit von Körper, Seele und Geist“ heranzubilden. Bislang gebe es 13 dieser Einrichtungen.

Anschließend wird das Auswahlverfahren erörtert: Es handele sich um die „Auslese bester deutscher Jugend“, um „völlig gesunden, rassisch einwandfreien, charakterlich sauberen und geistig überdurchschnittlichen Nachwuchs „.Die Bewerber müssen eine achttägige Aufnahmeprüfung durchlaufen, wran sich nach erfolgreichem Abschluss ein halbes Probejahr an einer NPEA anschließt. Die Aufnahme, so wird betont, erfolge ohne Rücksicht auf die soziale Stellung der Eltern. Die Erziehungsanstalten würden sich im normalen Lehrplan nicht von anderen Schulen unterscheiden.

Die Besonderheiten der NPEAs liegen in der Erziehung in der Gemeinschaft im Rahmen einer geschlossenen Anstalt. Diese Schulform sei gewählt worden, weil sie eine bessere Erziehungsfähigkeit ermöglicht, indem auf die körperliche Entwicklung, auf die Charakterbildung, auf die Ausbildung von Willen und Entschlusskraft sowie auf Verantwortungsfreudigkeit Wert gelegt werde. „Der körperlichen Härte entspricht auch die strenge geistiger Zucht“, heißt es weiter und: „Die Nationalpolitische Erziehungsanstalt ist eine Stätte konzentrierter und auserlesener Menschenformung. (…) Wir wollen ganze Kerle heranziehen.“

 
Fußnoten

[1] Hans Glauning wurde am 7. März 1906 in Plauen geboren und verstarb am Juni 1973 in Großgmain. Seit 1925 studierte er in Marburg Jura und wurde 1926 Mitglied der dortigen Burschenschaft „Germania“. Nach Abschluss seines Studiums wurde er Rechtsanwalt, einen Beruf, den er bis zu seinem Tod am 7. Juni 1973 ausübte. Glauning wandte sich früh der Politik zu und trat bereits 1926 der NSDAP bei und gründete noch im gleichen Jahr den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB), deren stellvertretender Reichsgeschäftsführer er wurde. Ab 1934 fungierte Glauning als Reichsführer der Deutschen Burschenschaft und sorgte im Oktober 1935 dafür, dass die Burschenschaften in die vom NSDStB gegründeten Kameradschaften überführt wurden. Daraufhin löste sich die Deutsche Burschenschaft am 18. Oktober 1935 formell auf der Wartburg auf. Dadurch selbst ohne Amt, wurde er zum persönlichen Referenten des Reichserziehungsministers Bernhard Rust ernannt und somit Reichsbeamter. Nach dem Krieg wurde er wieder als Rechtsanwalt tätig. (https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Glauning_(NS-Funktion%C3%A4r))

[2] Angaben nach Schallaufnahmen der Reichs-Rundfunk GmbH von Anfang 1936 bis Anfang 1939, S. 215