Folge 4: Landjahr (11./12.7.1938)
Dieser aus drei Schallplatten mit insgesamt vier bespielten Seiten bestehende Beitrag wurde am 11. und 12. Juli 1938 von der Reichsrundfunkgesellschaft aufgezeichnet. Die Matrizennummern lauten 47455 bis 47458. Veröffentlicht wurde er auf dem Weißlabel der „Polydor“ unter der Nummer 3831 (Teil 1 bis 4)
Es handelt sich um eine Unterhaltung zwischen Otto Freundorfer[1] mit dem Landjahr-Lagerführer Max Günster und dem Kreisbauernführer Jakob Nettesheim. Sie unterhalten sich „über Sinn und Aufbau des Landjahrs“. Die Aufnahme in einer Länge von 13:43 Minuten wurde im Landjahrlager Wuhlshof in Bensberg bei Köln aufgenommen. Es handelt sich um die vierte Folge der monatlich für den Kurzwellensender produzierten Sendereihe „Deutsche Jugenderziehung“.[2]
Zu Beginn der Sendung hört man Fanfahren und die „Meldung“ im Landjahrlager, in dem sich rund 100 schulentlassene Berliner Jungen im Alter von 14 bis 15 Jahren im Rahmen ihrer achtmonatigen Landjahrzeit aufhalten. Die Einrichtung sei 1934 von Minister Rust ins Leben gerufen worden, um die Jugend aus den Städten aufs Land zu ziehen, damit sie dort dann in Lagern eine Gemeinschaftserziehung durchlaufen würden. „Die Eltern erkennen am Ende des Landjahres ihre Jungen kaum wieder, so sind sie sowohl körperlich gewachsen als auch innerlich in ihrer Haltung gefestigt und umgeformt.“
Die Auswahl der Landjahrjugend werde, so hieß es unter Ausblendung der Rolle der Hitlerjugend, in der Schule durch den Schulleiter nach körperlichen, geistigen und charakteristischen Gesichtspunkten durchgeführt. Landjahr sei zwar Pflicht, aber es würden bei Weitem nicht alle Volksschulabsolventen aufgenommen, sondern nur jene, die von einer Kommission ausgesucht würden und charakterlich entsprechend „tadellos“ sein müssten.
Der Großstadtjunge lerne im Landjahr das bäuerliche Leben schätzen. Außerdem würden die Lager von Berufsberatern besucht, wodurch den Jugendlichen die Berufswahl erleichtert würde.
Es folgt eine Beschreibung eines Tagesablaufes, der nicht durch wissenschaftliche Schulung, sondern durch eine „Erziehung zu einem politischen Menschen“ dominiert werde.
Der lokale Kreisbauernführer Jakob Nettesheim berichtet über angeblich „beachtliche Erfolge“ der Jungen im Landjahr und ein zunehmendes gegenseitiges Verständnis von Stadtjugend und Bauerntum. Auch später blieben durch die Wirkung des Landjahrs weiterhin Beziehungen zum Land feststellbar, was zu einem engeren Zusammenrücken von Stadt und Land führe.
Abschließend schildert ein Bauer den genauen Arbeitsablaufes der Arbeiten auf seinem Hof. Auch er betont das gute Verhältnis zwischen Bauernschaft und Stadtjugend. Zugleich erläutert der Lagerführer, dass die Behandlung der Jungen durch die jeweiligen Bauern genau kontrolliert werde.
Abschließend singen die Jungen des Landjahrs-Lagers mit Fanfarenbegleitung noch das Lied „Wir wollen erbauen ein neues deutsches Reich“.
[1] Otto Freundorfer war ab 1926 im Münchner Sender als Reporter und Sprecher tätig. (vgl. https://www.swr.de/-/id=12101018/property=download/nid=660374/ht3rtd/swr2-wissen-20131029.pdf).
[2] Angaben nach Schallaufnahmen der Reichs-Rundfunk GmbH von Anfang 1936 bis Anfang 1939, S. 216