Herkunft und Kindheit: „Wir waren nie reich, aber reich an Kindern!“

Liesels Vater Peter, der bereits mit sechs Jahren seinen Vater verloren hat, wächst mit einer streng katholischen Mutter auf, die das Befolgen der religiösen Gebote über alles stellt. Er absolviert seine Schulzeit in Asbach im Westerwald und arbeitet zunächst in einem Steinbruch. Später wechselt er als Beamter im gehobenen Dienst in den Justizvollzugsdienst und findet seinen Arbeitsplatz im Kölner Gefängnis „Klingelpütz“.

Liesels Mutter stammt aus einer großen Kölner Familie mit neun Kindern. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern versorgt sie die jüngeren Geschwister. Bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung lernt sie Peter Strausfeld kennen und lieben.

Während Peter Strausfelds Dienstzeit im „Klingelpütz“ werden dort noch Todesurteile vollstreckt. Die Hinrichtungen finden nachts statt, und an den Abenden zuvor, so erinnerte sich Liesel Schäfer-Strausfeld sehr deutlich und bedrückt, sei ihr Vater „nicht zu gebrauchen“ gewesen. Häufig verlässt Mutter Selma mit den Kindern in solchen Situationen das Haus und hält sich mit ihnen so lange in einem benachbarten Park auf, bis der Vater zum Dienst gegangen ist.

Abgesehen davon verlebt Liesel jedoch eine insgesamt glückliche Kindheit. „Wir waren nie reich, aber reich an Kindern!“ Sie hat sowohl ältere als auch jüngere Geschwister und kann mit ihnen und Freundinnen aus der Nachbarschaft unbeschwert auf der Straße oder im nahen Park spielen. Als „Zigeuner“ bezeichnete Hausierer kommen zum Scherenschleifen an die Haustür, haben Äffchen und Bären dabei. Liesel beneidet sie um ihr ungebundenes umherschweifendes Leben und wünscht sich heimlich, von ihnen mitgenommen zu werden. Als die „Zigeuner“ nach 1933 plötzlich nicht mehr erschienen seien und ihr Vater gesagt habe, die seien nun alle in Arbeitshäusern untergebracht, habe sie sich „auf mein Bett geworfen und geweint“, erzählt Liesel Schäfer-Strausfeld noch Jahrzehnte später.

Die Religion spielt für Familie Strausfeld stets eine wichtige Rolle. Alle gehen „selbstverständlich“ samstags zur Beichte und besuchen sonntags die Messe. Die Geschwister sind alle in katholischen Jugendgruppen organisiert, ein Bruder in der Kolpingfamilie engagiert, sämtliche Schwestern Angehörige der Jungfrauenkongreation. Daher wird Liesel – auch das wie selbstverständlich - von ihren älteren Schwestern in das Leben der Kirchengemeinde und in das der Jungfrauenkongreation eingeführt. Von hier wächst sie dann aber, wie sie rückblickend erzählt, bald in die moderne Liturgiereform hinein.

Prägend für das Familienleben ist Mutter Selma mit ihrer sehr offenen und gastfreundlichen Art: „Meine Mutter war von einer kölschen Fröhlichkeit und Großzügigkeit, die unser Leben mitbestimmte. Bei uns wurde gesungen und unendlich viel gelacht!“ Das Weltbild des Vaters sei nicht zuletzt davon geprägt gewesen, „dass die Bösen in der Zelle sitzen und die Guten draußen sind“. Das habe auch - neben dem dominierenden Katholizismus - die Erziehungsmaxime ihrer Eltern wesentlich geprägt. Ohnehin ist die Erziehung des Vaters streng, was unter anderem dadurch zum Ausdruck kommt, dass es für seine Söhne häufiger Schläge setzt. Der älteste, 1910 geborene gleichnamige Sohn Peter nimmt das seinem Vater sehr übel und verlässt nach einem Streit, in dessen Verlauf er ihn heftig kritisiert hat, bereits in jungen Jahren dauerhaft das elterliche Haus.

Vater Peter befindet sich nach der NS-Machtübernahme in einem Zwiespalt, weil in den Gefängniszellen nunmehr immer häufiger auch „die Guten“, nämlich die Regimegegner, inhaftiert werden. So muss er etwa erleben, wie ein gut befreundeter Pater als politischer Gefangener verhaftet wird. Den zieht er dann zu Rate, als auf ihn großer Druck ausgeübt wird, als Beamter in die NSDAP einzutreten, wenn er seinen Arbeitsplatz behalten wolle. Was tun, denn Peter Strausfeld muss ja eine große Familie versorgen. Der Pater, so fasst Liesel Schäfer-Strausfeld die Familienüberlieferung zusammen, habe darauf geantwortet: „Unterschreiben Sie den Wisch, das ist kein Glaubensbekenntnis!“ Es sei für ihren Vater aber stets ein schlimmes Gefühl geblieben, „dass der Staat Unrecht tat.“ Im letzten Kriegsjahr wird er dann seinen Dienst im „Klingelpütz“ quittieren.