Alltag: „Wir haben nie Hunger gelitten!“
Das Leben und die Versorgung einer so vielköpfigen Familie zu sichern ist naturgemäß in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine besondere Herausforderung. Die Weltwirtschaftskrise macht sich für die Familie, jedenfalls aus Sicht der kleinen Liesel, allerdings nur wenig bemerkbar. Das ist sicherlich auch ein Resultat des engen Zusammenhalts. Sämtliche Strausfelds, die schon ein Einkommen beziehen, zahlen es komplett in die „Familienkasse“ ein und erhalten lediglich ein Taschengeld. Natürlich müssen sich auch alle Kinder - je nach Fähigkeiten und verfügbarer Zeit - an den vielfältigen Arbeiten, die eine derart große Familie mit sich bringt, beteiligen. Tanzt jemand aus der Reihe, straft Vater Peter mit Ohrfeigen - „aber nur die Jungen!“
Mutter Selma kocht gut und sparsam, wobei sie die meisten Zutaten für das Essen aus dem eigenen Garten und dem großen Schrebergarten der Familie bezieht. Es werden auch einige Dienstleistungen von Gefangenen in Anspruch genommen, die sehr preisgünstig seitens des „Klingelpütz“ angeboten werden. So wird in dessen Schneiderei etwa Kleidung für die Kinder genäht und auch ihr Brot beziehen die Strausfelds von dort. Ihre Ernährung ist einfach, aber stets ausreichend. „Wir haben nie Hunger gelitten!“ Auf bestimmte Genüsse müssen die Kinder allerdings verzichten. Als Liesel einmal bei Nachbarn zu einer Kommunionsfeier eingeladen ist, bei der Spargel auf dem Speiseplan steht, ekelt sie sich deshalb vor der hochgeschätzten und entsprechend teuren Spezialität: „Ich hätte kotzen können!“
„Spielplätze“ gibt es reichlich und in erheblicher Ausdehnung: Es wird viel auf der Straße und im nahegelegenen Blücherpark gespielt, die Brüder lassen selbstgemachte Drachen steigen, wobei die dankbare Liesel darf manchmal die Schnur halten darf.
So verläuft das Familienleben größtenteils harmonisch und lustig, nicht zuletzt, weil Mutter Selma ist eine lebensfrohe und liebevolle Frau ist. Liesel fühlt sich in dem großen Familienverband daher sehr wohl. Sie nimmt darin aufgrund ihres Alters eine Art Doppelrolle ein: „Für die zwei Kleinen war ich die Große, musste auf die aufpassen und hatte die Verantwortung, wenn ich auch nicht immer Lust hatte, und die Großen, das waren meine Spielgefährten.“
