Gymnasium (1935): „Ich bleibe meinem Bunde treu“

Karl-Heinz Kranz ist während seiner Gymnasialzeit wie sein Bruder Gisbert ein begeistertes Mitglied im katholischen Schülerbund Neudeutschland (ND). Als Einziger in der Quinta ist er nicht Mitglied in der HJ - sehr zum Missfallen seines Klassenleiters, eines überzeugten Nationalsozialisten, der ihn deswegen vor der gesamten Klasse zur rede stellt. Der Elfjährige lässt sich dadurch jedoch nicht beirren und sagt: „Ich bleibe meinem Bunde treu" - ein Affront, den der Lehrer mit der Mitteilung quittiert, dass Karl-Heinz nun „aus der Klassengemeinschaft ausgeschlossen" sei und keiner mehr mit ihm sprechen dürfe. Für mehrere Tage muss er nun während des Unterrichts an der Wand stehen.

Als die Mutter auf den gedrückten Zustand des Jungen aufmerksam wird und in ihn dringt, erfährt sie schließlich den Grund und legt empört Beschwerde beim Direktor des Gymnasiums ein. Hier trifft sie jedoch ebenfalls auf einen „Parteigenossen", der sich vorgenommen hat, bald nach oben melden zu können, dass 100 Prozent der Schüler seiner Anstalt der HJ angehören, um so das Recht zu erhalten, am Schulgebäude die Flagge der Hitler-Jugend zu hissen. So verhallt die Beschwerde wirkungslos.