Januar 1945: „An der Ostfront aus einem Hinterhalt erschossen“

Gisbert Kranz beschreibt seinen jüngeren Bruder und zugleich „besten Freund" Karl-Heinz als „eher ungesellig, herb und zurückhaltend". Klar und entschieden habe er jedoch die Notwendigkeit gesehen, „für Gottes Reich zu kämpfen". Bibel und Rosenkranz habe er stets bei sich geführt und „gewissenhaft an sich selbst" gearbeitet.

Karl-Heinz ist literarisch und religionsphilosophisch sehr interessiert, Josef Pieper, Reinhold Schneider, Theodor Haecker und Romano Guardini gehören zu den Autoren, deren Bücher er erwirbt und durcharbeitet. Eine anspruchsvolle Lektüre, doch Karl-Heinz sei „reifer als seine Jahre" gewesen, urteilt der ältere Bruder rückblickend.

Die Brüder teilen in der NS-Zeit die Sorge um die Lage der Kirche und befürchten - wie insgesamt die Angehörigen des „Kreises" der Steeler Pfarrjugend -, dass es nach dem - für Deutschland siegreichen - Krieg zu einem „apokalyptischen Kampf" zwischen Christentum und Nihilismus kommen werde.

Doch die Nachkriegszeit erlebt Karl-Heinz nicht mehr. Kurz vor Kriegsende wird er am 27. Januar 1945 an der Ostfront „aus einem Hinterhalt erschossen". Es mit Gisbert schließlich nur der älteste der vier Kranz-Brüder, der lebend aus dem Krieg zurückkehrt.