Pfarrjugend (1938-1944): „Karl-Heinz führt die Arbeit im Rahmen der Pfarrjugend fort“

Nachdem sein Bruder Gisbert als erster von den vier Brüdern zur Wehrmacht eingezogen worden ist, führt Karl-Heinz die Jugendarbeit als Pfarrhelfer im Rahmen der Pfarrjugend fort. Hier kommt es unter den neuen Verhältnissen zu einer Annäherung der bis dahin streng getrennt voneinander arbeitenden katholischen Jugendgruppen. Der Bund Neudeutschland, als Organisation der höheren Schüler zuvor von deutlich elitärem Charakter, führt nun auch Treffen und Fahrten mit anderen katholischen Gruppen - etwa der DPSG - durch, in denen in erster Linie Volksschüler, Lehrlinge, Arbeiter und Handwerker organisiert sind. Karl-Heinz Kranz gehört zudem dem so genannten „Kreis" innerhalb der Steeler Pfarrjugend an, von dessen Mitgliedern hier auch Hugo Kreutzer, Anna Büse und Marianne Bonsiepen mit eigenen Lebensgeschichten vorgestellt werden.

Karl-Heinz wird schon früh durch verschiedene Äußerungen aus kirchlichen Kreisen auf die Gräueltaten des NS-Regimes aufmerksam und beweist viel Mut, die seinerzeit brisanten kirchlichen Texte und Informationen zu verbreiten. Auf einer Schreibmaschine vervielfältigt er beispielsweise in möglichst vielen Durchschlägen die Predigten des Münsteraner Bischofs von Galen, der im Sommer 1941 den „Klostersturm" und den Massenmord an Behinderten anprangert. Auch die Reden und Predigten zahlreicher weiterer hoher Repräsentanten der katholischen Kirche verbreitet Karl-Heinz auf diesem Wege.

Darüber hinaus informiert er seinen Bruder Gisbert, der zu jener Zeit an der Ostfront ist, regelmäßig über die Situation der Kirche, die nun immer stärker von Repressionen seitens des NS-Regimes betroffen ist. So schreibt er ihm im Januar 1942 entrüstet, „dass das Priesterseminar in Bensberg, das Kardinal Schulte der Wehrmacht als Lazarett zur Verfügung gestellt hatte, ohne Angabe von Gründen im Frühjahr 1941 vom Staate eingezogen worden sei." Karl-Heinz ist stets sehr gut über Interna informiert und kann seinem Bruder beispielsweise auch mitteilen, der Kölner Generalvikar David habe „ein Schreiben erhalten, das Priesterseminar sei ‚wegen volks- und staatsfeindlicher Betätigung der Insassen' konfisziert", ein Beschluss, der dann am 18. Januar 1942 in den Kirchen verlesen wird. Auch von dieser Kanzelverkündigung lässt Karl-Heinz seinem Bruder ein Exemplar in Durchschrift zukommen.

Als er schließlich selbst eingezogen wird, bleibt er der Arbeit in der katholischen Jugend dennoch soweit eben möglich verbunden - und das nicht nur während der Urlaubsaufenthalte in Steele, sondern auch in der Garnison. So nimmt er, als er längere Zeit in Paderborn liegt, als bereits mit dem „Eisernen Kreuz", Sturmabzeichen und silbernem Verwundetenabzeichen dekorierter Gefreiter Kontakt mit der örtlichen Geistlichkeit auf und führt mit ortsansässigen Jugendlichen der dortigen Pfarrjugend in Eigenregie Heimabende durch.