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Jugend! Deutschland 1918-1945
Editionen zur Geschichte
Didaktik & Schule

Die Schule war bis 1933 neben der Familie der unumstrittene Ort kindlicher und jugendlicher Erziehung und Ausbildung. Mit der NS-Machtübernahme wurde hier allerdings nicht mehr nur unterrichtet, sondern häufig auch massiv ideologisch beeinflusst. Außerdem versuchten die Nationalsozialisten zunehmend verschiedene Formen von Lagererziehung zu etablieren, in deren Rahmen eine Indoktrination und Wehrerziehung noch effektiver möglich war. Im Krieg wurden die so beeinflussten Heranwachsenden dann zunehmend zu Kriegshilfsdiensten der unterschiedlichsten Art herangezogen.

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Völkische „Denk-Sprüche“ und „deutsches Gebet“ - Abschaffung der Bekenntnisschulen

Im Reichskonkordat war auch der Bestand der Bekenntnisschulen garantiert worden.[1] Nachdem aber bereits zwischen 1934 und 1937 in anderen Gebieten Deutschlands (z.B. in Hessen, Bayern und Württemberg) die konfessionell gebunden Schulformen verdrängt worden waren, setzte das NS-Regime seit 1935 alles daran, diesen Schritt auch im katholischen Rheinland zu vollziehen. Wenn diese Bestrebungen offiziell auch mit dem Etikett der völkischen Gemeinschaftsideologie versehen wurden, ging es in erster Linie um eine Ausschaltung der mit der HJ konkurrierender kirchlichen Erziehungseinflüsse, um so das absolute Monopol zur politischen Indoktrination zu erlangen.

Die katholische Kirche machte ihrerseits mobil: In Hirtenworten, Predigten  und Flugblättern wurden die Eltern aufgefordert, „mutig und entschlossen für die Bekenntnisschule" einzutreten, und als im Januar 1937 Gerüchte kursierten, wonach die Bekenntnisschule zum Schuljahresbeginn abgeschafft werden sollte, startete sie im Rheinland und im Ruhrgebiet eine großangelegte Befragungsaktion unter der katholischen Elternschaft, die sich mit überwältigender Mehrheit gegen die „Gemeinschaftsschulen" und für den Erhalt der „Bekenntnisschulen" aussprach. In Essen votierten beispielsweise rund 92 Prozent der Eltern in diesem Sinne, in einer Kölner Pfarre 88 Prozent.

Die Entwicklung in Richtung Gemeinschaftsschulen war jedoch nicht aufzuhalten. Obwohl sich in einer trotz Verbots durch die Gestapo durchgeführten weiteren Abstimmung in der Kölner Erzdiözese im Februar 1939 wieder 86,5 Prozent der Eltern für den Erhalt der Bekenntnisschulen ausgesprochen hatten, war deren Ende mit Ablauf der Osterferien 1939 besiegelt. Die Kreuze waren zu diesem Zeitpunkt ebenso endgültig aus den Schulen verbannt wie das Schulgebet, das durch völkische „Denk-Sprüche" und ein „deutsches Gebet" ersetzt wurde. Nunmehr besuchten alle Schüler eine „Deutsche Volksschule", womit die vom NS-Regime beabsichtigte konfessionelle Durchmischung dieser Schulform begonnen und die jahrelange heftige Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche ihren vorläufigen Schlusspunkt gefunden hatte.

Auch die weiterführenden Schulen waren von großen Umwälzungen betroffen. Nachdem im Dezember 1936 (bei den Mädchenschulen erst ab 1940) die Verkürzung des Besuchs Höherer Schulen von neun auf acht Jahre verfügt und mit Schuljahrsbeginn 1937/38 das gesamte Höhere Schulwesen durch die Einführung der „Deutschen Oberschule" vereinheitlicht worden war, begann ab 1938 die Reduzierung des Schulbestandes. Bei den höheren Mädchenschulen waren hiervon ganz besonders die zumeist konfessionell gebundenen Privat- und Ordensschulen betroffen, die bis 1940 sämtlich geschlossen und - bestenfalls - in städtische Trägerschaft überführt waren.

Fußnoten

[1] Die Darstellung folgt Trapp, Schulen, S.118ff. und von Hehl, Kirche, S. 146ff.