Suchen & Finden
Jugend! Deutschland 1918-1945
Editionen zur Geschichte
Didaktik & Schule
Jugendgruppen

Die 1920er Jahre waren ein Jahrzehnt aufstrebender Jugendgruppen und von deren Organisationen. Ob konfessionell, politisch oder bündisch orientierte Gruppen: sie nahmen erheblich an Größe zu, gewannen deutlich an Selbstvertrauen und traten mit Beginn der 1930er Jahre zunehmend formiert und uniformiert auf. Nach 1933 beanspruchte dann die Hitlerjugend den Alleinvertretungsanspruch für den Jugendbereich, während alle anderen Gruppierungen nach und nach verboten wurden. Das rief schließlich – und besonders im Krieg - die Gruppen unangepasster Jugendlicher auf den Plan.

Inhalt
Baum wird geladen...
Archivmaterialien
Mein Dienst im Jungvolk (1934-1944)

„Diese Jugend soll gehorchen lernen und Disziplin üben“ – Der HJ-Dienst

Der Dienst der HJ sollte die Jugendlichen „durch ständige politische Schulung zu echten, starken Nationalsozialisten"[1] heranbilden und sie körperlich „zu Kraft, Ausdauer und Härte"[2] erziehen. „Diese Jugend soll gehorchen lernen und Disziplin üben", gab es das Organisationsbuch der NSDAP vor, „aber auf der anderen Seite soll durch die Erziehungsarbeit der HJ bereits die Grundlage zu wahrem Führertum gelegt werden."[3] Dazu wurden die Jugendlichen in ein festes Schema von Leistungsanforderungen gepresst, nach dem sie körperlich trainiert und politisch indoktriniert wurden. Mindestens zweimal pro Woche war Dienst angesetzt, oft auch an einem zusätzlichen Tag am Wochenende und bei zahlreichen Sonderaktionen. Viel Zeit für Freizeit blieb da nicht mehr.

Jeden Mittwoch fand der Heimabend mit Singen, theoretischem Unterricht und weltanschaulicher Schulung statt. Am Samstag folgte die Doppelstunde Sport, zu der bei den Jungen auch die „Wehrertüchtigung" zählte, und, im Wechsel mit den Sportstunden, zweimal im Monat die obligatorische Wochenendfahrt, bei der häufig auch das Marschieren in Marschkolonne „in der Zucht der Kameradschaft und des Gehorsams" geübt wurde.[4]

Hinzu kamen zahlreiche Sonderdienste, darunter die Teilnahme an Eltern- und Werbeabenden, an Kundgebungen, an Appellen und Feiern. Zusätzlich wurde die HJ als Erntehelfer eingesetzt und musste bei den Sammlungen des Winterhilfswerks und bei den Sammlungen von Altmetall, von Heilkräutern, Eicheln oder Kastanien mithelfen. In den Kriegsjahren kamen noch die umfangreichen Kriegseinsätze hinzu, wo die HJ Tätigkeiten unter anderem bei der Post, bei der Straßenbahn oder im Fernmeldewesen übernahm.

Die gesamte Arbeit der HJ unterlag einer einheitlichen ideologischen Ausrichtung und wurde zentral von der Reichsjugendführung bestimmt. Hatte es in den Jugendverbänden vor 1933 einen großen Freiraum bei der inhaltlichen Gestaltung der Gruppenaktivitäten gegeben, mussten sich die HJ-Führer und BDM-Führerinnen nun an feste Vorgaben halten. In Handbüchern, Heimabendmaterialien und Dienstanweisungen waren sämtliche Bereiche des HJ-Dienstes bürokratisch genau geregelt, von den Kommandos bei Ordnungsübungen über das Erlernen von Pflichtliedern bis hin zur Frage, ob der Hemdkragen über oder unter der Jacke zu tragen war.

Die zentralen Inhalte des HJ-Dienstes wurden zudem überprüft. Bereits ein halbes Jahr nach Eintritt in HJ und BDM mussten die Pimpfe und Jungmädel die so genannte Pimpfenprobe bzw. Jungmädelprobe bestehen, um vollwertiges Mitglied in der HJ werden zu können. Später wurde das Ablegen zusätzlicher sportlicher und weltanschaulicher Leistungsprüfungen erwartet.

Die Prüfungsergebnisse wurden ins „Leistungsbuch" eingetragen, das es in zwei verschiedenen Ausführungen für Jungen und Mädchen gab, und in dem „alles, was für die geistige und körperliche Erziehung des jungen Nationalsozialisten von Bedeutung ist",[5] verzeichnet wurde. Das Leistungsbuch wurde vom Eintritt ins Jungvolk bzw. in den Jungmädelbund bis zum Übertritt von Hitler-Jugend bzw. BDM in den Arbeitsdienst, die Wehrmacht, SA etc. geführt, so dass eine Art politischer Lebenslauf entstand.

Fußnoten

[1] Organisationsbuch der NSDAP, 1937, S. 437
[2] Pimpf im Dienst, 1938, S. 298
[3] Organisationsbuch der NSDAP, 1937, S. 437
[4] Pimpf im Dienst, 1938, S. 250
[5] Pimpf im Dienst, 1938, S. 16