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Kisselbach, Gerta

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Entwicklung des BDM

BDM - „Das war ja schön, man war ja jung“

In den BDM treten Gerta und ihre Schwester zunächst ganz im Einverständnis mit ihren Eltern nicht ein und werden erst Mitglied, als dies in der Schule immernachdrücklicher gefordert wird. Die Heimabende und vor allem auch der Sport bereiten Gerta in der Folgezeit dann aber sehr viel Freude. Sie bleibt in ihrer Euphorie aber dennoch etwas zurückhaltend, da ihre Mutter sich nie besonders begeistert zweigt von dem, was ihre beiden Töchter von den Gruppenstunden berichten. Es wird in der Familie aber nicht offen über Vor- und Nachteile der BDM-Mitgliedschaft gesprochen.

An die Gestaltung der Heimabende kann sich Gerta Kisselbach nicht im Einzelnen erinnern. „Ich weiß überhaupt auch nur von einer Veranstaltung, die in Bergerhausen auf einem Sportplatz war." Dort hätte jemand „von der Regierung" gesprochen und unter anderem verkündet, dass es keinen Krieg geben würde: „‚Uns greift keiner an'.Man glaubte das ja den Leuten, was sie sagten." Wenn sie von solchen Erlebnissen dann zu Hause erzählt habe, „gab keiner Antwort", erinnert sie sich heute.

Insgesamt ist und bleibt Gertas Verhältnis zum NS-System ambivalent. Mal ist sie begeistert, dann auch wieder skeptisch. „Wir sind gewandert, spazieren gewesen, es war schön, wir haben Lieder gesungen, und das waren dann Lieder, die so zackig waren, und das war ja schön, man war ja jung." Dennoch zweifelt sie auch immer wieder, nicht zuletzt wegen der spürbaren Skepsis ihrer Mutter.