Gründung

1927 wurde eine – allerdings nur kurzlebige - NSDAP-Ortsgruppe Buenos Aires gebildet, in der sich auch der noch näher vorzustellende Willi Köhn führend, aber vergeblich engagierte. Mehr Erfolg dagegen war dem Augenarzt Dr. Hans Asanger beschieden, der im April 1928 eine Ortsgruppe im südbrasilianischen Timbó bei Blumenau gründete, die am 1. Juli 1928 als weltweit erste Auslandsniederlassung von der Reichsleitung der NSDAP offiziell bestätigt wurde.[1] Danach entstanden bis 1931 in den „ABC-Staaten“, nämlich in den Hauptstädten Argentiniens und Brasiliens wie auch in Santiago de Chile Ortsgruppen der NSDAP. Mitte des Jahres beauftragte die Auslandsabteilung den Leiter der letztgenannten Gruppe, den als „organisatorisch befähigt“ geltenden Willi Köhn, mit dem Aufbau einer Landesgruppe. Damit wurde Köhn als einer der wenigen Parteiführer im Ausland bereits vor der NS-Machtübernahme zum Landesgruppenleiter befördert und leitete die Landesgruppe Chile aus Sicht der Verantwortlichen „straff und umsichtig“. Er unterband parteiinterne Auseinandersetzungen und bewies Weitblick bei der Auswahl von Ortsgruppen- und Stützpunktleitern, was zugleich eine gewisse Einheit und Kontrollierbarkeit der Parteimitglieder garantierte. Weil aber zunächst kaum Werbung für den Nationalsozialismus betrieben wurde, blieb die Zahl der Parteigenossen insgesamt gering.[2]

Diese ersten NS-Auslandsvereinigungen sollten „die Verbundenheit mit der Freiheitsbewegung Adolf Hitlers bekunden“. Es dauerte allerdings bis zum Herbst 1930, bis sich zu deren Betreuung und Kontrolle in Hamburg „ehemals auslandsdeutsche Männer“ zusammenfanden, um eine völlig neue Dienststelle der NSDAP ins Leben zu rufen, die Reichsorganisationsleiter Gregor Strasser dann mit Verordnung vom 28. April 1931 zum 1. Mai des Jahres als „Auslands-Abteilung der Reichsleitung der NSDAP“ auch formal gründete. Jedes Parteimitglied, das im Ausland wohnte, musste künftig der jeweiligen Landes-Abteilung angehören, was im Übrigen auch für die NSDAP-Angehörigen unter den damals rund 80.000 deutschen Seeleuten galt. Erster Leiter der Auslands-Abteilung wurde der Reichstagsabgeordnete Hans Nieland[3], der jedoch schon am 8. Mai 1933 wieder zurücktrat, weil er inzwischen Chef der Hamburger Polizeibehörde und später Mitglied der Hamburger Landesregierung geworden war.[4]

Insgesamt, so lässt sich für die Frühzeit resümieren, waren die Aktivitäten der in Hamburg angesiedelten Auslandsabteilung zwischen 1931 und 1933 von Mängeln in der Organisation, der Systematik und Programmatik geprägt. Außerdem ließen die personelle Auslese und die Führung ebenso zu wünschen übrig wie es an einer deutlichen Abgrenzung gegenüber anderen Parteigliederungen mangelte. Es dominierten Fehleinschätzungen, Improvisation und ein beträchtlicher Dilettantismus. Unter solch misslichen Umständen gelang es zunächst nicht, einen homogenen Parteiapparat im Ausland aufzubauen.[5]

Fußnoten

[1] Vgl. Müller, Nationalsozialismus, S. 94f.

[2] Vgl. Müller, Nationalsozialismus, S. 103f.

[3] Vgl. Koop, Kolonne, S. 11 und Müller, Nationalsozialismus, S. 21.

[4] Zu Nieland Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Nieland (26.11.2017)

[5] So Müller, Nationalsozialismus, S. 30 und 107