Umgestaltung 1933

Nach der Machtübernahme die NSDAP-AO gemäß der Untersuchungsergebnisse von Volker Koop ihre Taktik um. Von diesem Zeitpunkt an seien gemäß dem Motto „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ auch im Ausland Andersdenkende verfolgt worden, während man Anhänger mit Posten in der Wirtschaft oder Politik belohnt habe. Mit dem 30. Januar 1933 veränderte sich auch die offizielle Bezeichnung, die nun bis zum 3. Oktober 1933 „Abteilung für Deutsche im Ausland bei der Obersten Leitung der PO“ lautete.[1]

Von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung war der Wechsel an der Spitze der Auslandsorganisation. Zum Nachfolger Hans Nielands wurde am 8. Mai 1933 der 1903 geborene Ernst Wilhelm Bohle ernannt, der dort bereits seit Dezember 1931 als dessen Assistent tätig gewesen war.[2] Im Oktober des Jahres schließlich unterstellte sich Rudolf Heß die Organisation als Hauptabteilung der Reichsleitung. Die nun wieder unter ihrem alten Namen firmierende Auslandsabteilung, so legte er fest, sei die einzige zuständige Parteidienststelle für die Organisationen der NSDAP im Ausland, der sämtliche Parteigenossen, die ihren Wohnsitz im Ausland hätten, unterstehen würden.[3]

Von besonderer Bedeutung für den Stellenwert und die weitere Entwicklung der „Auslands-Organisation der NSDAP - NSDAP-AO“, wie sie dann ab dem 17. Februar 1934 endgültig und dauerhaft hieß, war die Einrichtung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) im März 1933. Wenn die Parteigenossen etwa in Argentinien, Brasilien oder Chile 1933 zunächst noch weitgehend mit sich selbst und den örtlichen deutschen Gemeinschaften beschäftigt waren, wurde ihre Arbeit sehr bald von der Reorganisation der deutschen Auslandspropaganda tangiert, wobei die Verantwortlichkeit vom Auswärtigen Amt auf das neue Ministerium unter Joseph Goebbels übergegangen war. Die gesamte Werbung für das nationalsozialistische Deutschland wurde nun in dessen Behörde gebündelt und unter ihrer Federführung neu organisiert.

Bereits seit Mitte 1933 arbeitete die AO eng mit dem RMVP und den ihm unterstellten Stellen zusammen. Dabei lobte Goebbels ausdrücklich die „umfangreiche und komplizierte Organisation“ der AO, die von Bohle als einem „unserer fähigsten Leute“ sehr gut geleitet werde. Für ihre propagandistische Arbeit im Ausland stellte der Minister daher gern Finanz- und Sachmittel in erheblichem Umfang zur Verfügung. Als förderlich für den Ausbau der Auslandspropaganda erwies sich auch der Umstand, dass dem neugeschaffenen Ministerium eine Vielzahl von Einrichtungen – so auch die Reichsmusikkammer mit ihren Abteilungen und Arbeitsgemeinschaften - unterstellt oder für bestimmte propagandistische Aufgaben neu ins Leben gerufen wurden.[4] Hierzu zählte auch die „Zentralstelle für Deutsche Kulturfunksendungen im Ausland“, die es hier an anderer Stelle in einem eigenen Kapitel ausführlich vorzustellen gilt.

Diese damit einhergehenden großen Umstrukturierungen in Deutschland betrafen nicht zuletzt auch die NSDAP-AO und deren Landesgruppen in Südamerika. Mit einer „Intensität ohnegleichen“, so beurteilt Volker Koop den ab 1933 einsetzenden Prozess, habe die NSDAP ihre ausländischen Stützpunkte, Orts- und Landesgruppen ausgebaut, was häufig „zum Missfallen des Berliner Auswärtigen Amtes“ und oft auch der nationalen Regierungen geschehen sei. „Die NSDAP griff daher dort, wo sie nicht offen auftreten konnte, zum Mittel der Tarnung. In erster Linie dienten ihr hierfür schon bestehende deutsche Vereine.“[5]

Fußnoten

[1] Vgl. Koop, Kolonne, S. 12 und 15

[2] Zu Bohle vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Wilhelm_Bohle (26.11.2017)

[3] Vgl. Müller, Nationalsozialismus, S. 32f.

[4] Vgl. Müller, Nationalsozialismus, S. 259f. und 65

[5] Koop, Kolonne, S. 14