Politik und Familie: „Es gab in der kritischen Zeit täglich Schlägereien.“

Im direkten Umfeld der Familie wohnen keine NS-Anhänger. Willi Strunck erinnert sich lediglich an einen rechtsgerichteten Onkel, der im „Stahlhelm“ aktiv ist, aber innerfamiliär keine Rolle spielt. Sein Vater ist politisch hingegen in der Zentrumspartei aktiv.

In der Straße, in der Willi aufwächst, kommt es in der Endphase der Weimarer Republik allerdings zu politisch motivierten Unruhen: Die Bewohner seines unmittelbaren Wohnumfeldes, so erzählt Willi Strunck, hätten aus zwei Gruppen bestanden: einmal einem bürgerlichen Teil, dem die Mittelständler und damit auch die Struncks angehört hätten, und in jene Gruppe, der Kommunisten und „lockere Mädchen“ angehört hätten. Eine häufige Ursache für die Anfang der 1930er-Jahre fast täglich unter Beteiligung der Polizei stattfindenden Schlägereien in der Straße sind nach rückblickender Einschätzung von Wilhelm Strunck nicht nur politische Konflikte, sondern auch kriminelle Machenschaften der teilweise sehr armen Leute - etwa der „fliegenden Händler“ - gewesen. Ab spätestens 1932 marschiert dann aber auch die SA durch die Straßen, was zu heftigen Zusammenstößen und Schlägereien mit den Kommunisten führt: „Da gabs immer wieder Schlägereien und Übergriffe.“

Mit der Arbeitslosigkeit sei es dann aber 1933 langsam vorbei gewesen. „Man atmete auf.“ Genauere Erinnerungen hieran hat Willi Strunck allerdings nicht. „Wir Kinder haben das nur am Rande miterlebt.“ So könne er sich auch an die Umzüge der Nationalsozialisten zum 30. Januar oder zum 12. März 1933 nicht erinnern. Ohnehin habe er sich für die politischen allgemeinen politischen Entwicklungen zunächst nicht interessiert, weil er sich bei „Neudeutschland“ gut aufgehoben und zugehörig gefühlt habe.

Sein Vater sei allerdings klar und deutlich gegen das neue NS-Regime eingestellt gewesen. Das habe auch für den Kegelclub aus Handwerkern gegolten, dem er angehört habe und dessen Mitglieder allesamt dem Nationalsozialismus gegenüber negativ eingestellt gewesen seien.

Die ablehnende Haltung des Vaters gegen das NS-Regime kommt auch dadurch in aller Deutlichkeit zum Ausdruck, dass Vater Heinrich seinen Söhnen eine Mitgliedschaft in der HJ ausdrücklich untersagt. „Wir waren gar nicht auf die Idee gekommen, Mitglied der Hitlerjugend zu werden, Vater hätte das auch glatt untersagt und verboten!“ Zugleich bestärkt er sie in ihrem Engagement für den Bund Neudeutschland.

Das hält sie – wie wohl nahezu alle damaligen Jugendlichen – nicht davon ab, von den olympischen Spielen, die 1936 in Berlin stattfinden, ebenso begeistert zu sein wie von der Rheinlandbesetzung im März des selben Jahres. Das kollidiert auch keineswegs mit Willis Mitgliedschaft im ND, denn auch dort wird das „Diktat von Versailles“ als ungerecht empfunden.