Krisenjahr 1943: „Wir zwei klammerten und an das Fünkchen Hoffnung, dieses Inferno zu überleben“

Nach einem weiteren Jahr an der „Finnischen Front“ in Lappland kehrt Willi im August 1942 nach Deutschland zurück und verlebt in Köln zunächst einen „herrlichen“ Urlaub, um danach in Potsdam seinen Lehrgang als „KOB“ (Kriegsoffiziersbewerber) zu absolvieren. Nach dessen Abschluss im Dezember 1942 wird er zunächst aber nicht befördert, weil ihn seine jugendbewegte Kölner Vergangenheit einholt. In seiner Personalakte findet sich nämlich ein Vermerk über die Aussage eines hohen Funktionärs der dortigen Hitlerjugend, „mit dem ich damals aneinandergeraten war“, und der Familie Strunck im Allgemeinen und Willi aufgrund seiner ND-Vergangenheit im Besonderen der politischen Unzuverlässigkeit bezichtigt. Schließlich wird Willi aber doch noch zum Leutnant befördert, um über Weihnachten bis zum 6. Januar 1943 einen erneuten Urlaub in Köln zu verbringen.

Ein für nahezu alle Urlauber zentraler Bestandteil der wenigen Aufenthalte in ihrer Heimatstatt ist die Komplet, die am Samstagabend in der Krypta von Maria im Kapitol gehalten werden. Diese Abendgebete erfahren insbesondere seitens junger Katholiken einen ungeheuren großen Zulauf und sind wahre Anker im stetig wachsenden Chaos und sind insbesondere für die Heimaturlauber von großer Bedeutung. Das geht aus vielen Briefen hervor, in denen sie Freunden an den verschiedenen Fronten mitteilen, während der Komplet an sie gedacht und für sie mitgebetet zu haben. „Es war ein Fixpunkt für uns alle!“

 

Zurück bei der Wehrmacht erfährt Willi auf dem Truppenübungsplatz Wandern von den schweren Schäden, die ein Luftangriff auf Köln am 15. Februar verursacht hat und erhält umgehend einen kurzen „Bombenurlaub“. Die nächste luftkriegsbedingte Freistellung wird bereits Ende Juni 1943 notwendig, als das Wohnhaus von Familie Blum in der Kasinostraße völlig zerstört und Willis Elternhaus mit Gärtnerei in der Alten Wallgasse stark beschädigt wird.

Als Willi in Köln ankommt, liegt über der Stadt noch immer „dicker Rauch“. Er hilft bei den Bergungs- und Aufräumungsarbeiten, um dann am 8. Juli bei einem weiteren Angriff schließlich auch die endgültige Zerstörung seines Elternhauses durch eine Luftmine hautnah miterleben zu müssen, eine Erfahrung, die er als seine „Einweihung in den Bombenkrieg“ bezeichnet. Er überlebt den Angriff in einem kleinen Weinkeller und betont rückblickend, danach bei Luftalarm nie mehr einen Keller aufgesucht zu haben.

 

Nach seiner Rückkehr zur Truppe wird Willis im Sommer 1943 nach Schildow bei Berlin verlegt, wo ihm das Kommando über eine schwer bewaffnete Truppe übertragen wird. Damit habe man, so seine rückblickende Einschätzung in der Hauptstadt Stärke und Präsenz zeigen wollen, um etwaigen Unruhen zuvorzukommen. Ende August 1943 wird er dann auf den Balkan versetzt, wo er zunächst in Kroatien, dann in Bosnien eingesetzt wird.

Ab 1943, so erzählt Willi Strunck mit Blick auf Stalingrad und den eskalierenden Bombenkrieg weiter, sei „der Krieg etwas aus den Fugen“ geraten. Viele Soldaten und erst recht die Offiziere seien nach der vernichtenden Niederlage von Stalingrad davon ausgegangen, dass das Ende des Krieges abzusehen sei und Deutschland ihn nicht gewinnen mehr gewinnen könne.

1988 fasst er seine Sicht der damaligen Dinge in seiner „Familien-Chronik“ so zusammen: „Dieses Jahr 1943 war ein verdammt hartes Jahr und das nicht nur für uns. Im Osten bröckelte die Front unaufhaltsam. Tausende Soldaten kamen unter furchtbaren Umständen ums Leben. Zigtausende daheim wurden ein Opfer der unmenschlichen Terrorangriffe [!] der Briten und Amerikaner. Und wir zwei klammerten und an das Fünkchen Hoffnung, dieses Inferno zu überleben, obwohl links und rechts unsere Freunde starben.“