Neudeutschland: „Das war Romantik pur!“
1930, mit dem Eintritt in die Sexta, wird Willi Mitglied im Bund Neudeutschland. Am Apostelgymnasium gibt es entsprechend von dessen dezidiert katholischer Orientierung traditionell einen großen Zulauf zum ND, der hier teilweise mehr als 100 Mitglieder zählt.
Auch Willis älterer Bruder Heinz ist im ND organisiert, so dass es nahezu selbstverständlich ist, dass auch Sextaner Willi schnell für den Jugendbund „gekeilt“, also geworben wird. Als Heinz die Schule dann nach der Obertertia verlässt, um in der väterlichen Gärtnerei tätig zu werden, gründet er mit anderen eine „Werktätigengruppe“ im ND, die auch in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft eine rege regimekritische Aktivität entfaltet.
Zurück in Willis frühe ND-Jahre: Auch er nimmt an den für die Jungen sehr abenteuerlichen und romantischen Zeltlagern teil, beispielsweise am großen Pfingstzeltlager bei Marienstadt im Jahr 1931. Angesichts solch jugendbewegten Lebens, so erinnert sich Willi Strunck, hätten ihn als noch halbes Kind die besorgniserregenden politischen Entwicklungen in Deutschland praktisch nicht interessiert.
Das trifft leider auch für die schulischen Leistungen zu. Das spannende Leben lässt das Interesse am Lernen rapide sinken, was – bis zum Abitur - gravierende Auswirkungen auf die Noten zeitigt. Andererseits steigt Willi schnell im ND auf und wird Ostern 1934 zum Führer des Fähnleins „Georg von Frundsberg“, das er später in „Langemarck“ umbenennen wird. Dort gibt man sich betont deutsch und nationalistisch, verherrlicht Ereignisse des Ersten Weltkriegs und fühlt sich in mehrfacher Hinsicht als Elite – gegenüber den anderen, im Rahmen von Pfarrgemeinden organisierten katholischen Jugendverbänden und nach 1933 zunächst auch gegenüber der Hitlerjugend. Es werden weiterhin große Zeltlager organisiert, bei denen es nun zunehmend sich an militärischen Vorbildern angelehnte Wettkampfspiele gibt. Außerdem wird viel gesungen und erzählt: „Da wurde viel gesungen, es wurde viel vorgelesen, wir haben Theater gespielt, Rüpelspiele nach Hans Sachs – Es war eine wunderschöne Zeit!“ Die Unternehmungen hat Strunck nur positiv in Erinnerung: „Das war Romantik pur!“
