Dem Kriegsende entgegen: „Die meisten hatten Bammel in der Hose“

Über Gräueltaten auf dem Balkan erfährt Willi Strunck nach eigenem Bekunden nur vom Hörensagen. So hätten die Russen dort ganze Dörfer „umgepflügt und niedergebrannt“. Er selbst sei dagegen immer bei Wehrmachtseinheiten gewesen, die „sich keine Vorwürfe“ machen müssten. „Vielmehr haben wir versucht, etwas ins andere Licht zu rücken.“ So habe er höchstpersönlich einen Untergebenen bestraft, der ein Mädchen vergewaltigt habe. Als sich dessen Eltern bei ihm darüber beklagt hätten, habe er dem Soldaten eine Ohrfeige versetzt. Zu einer weitergehenden Bestrafung sei es dann allerdings nicht mehr gekommen, weil er sich um andere Dinge – insbesondere um die Verlegung des Hauptverbandplatzes - habe kümmern müssen. Insgesamt, so erinnert er sich sei die Stimmung unter den Soldaten nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 noch schlechter geworden.

 

Mitte November 1944 wird Willi bei einem Unfall auf dem Balkan verletzt. Im Zuge des deutschen Rückzugs wird er in verschiedenen Lazarettzügen und teilweise auf einer Bahre liegend zu Fuß immer weiter nach Westen transportiert. Mit einer der letzten JU 52, die vom Balkan aus startet, wird er schließlich ausgeflogen und gelangt nach Graz. Unter seinem vom Fuß bis zur Hüfte und in seiner Kniekehle reichenden Gipsverband haben sich zwischenzeitlich Läuse eingenistet, so dass Willi einen Militärarzt inständig darum bittet, ihm den Gips abzunehmen, was der auch tut. Von Graz geht es nach Wien und von dort dann weiter ins Lazarett nach Oberberg (heute: Bohumín in Tschechien).

Drei Tage vor Weihnachten 1944 erreicht Willi, inzwischen aus dem Lazarett entlassen, nach einer langen, beschwerlichen Reise Bergisch Gladbach, wo er seine Frau Maria in die Arme nehmen kann. Nach weiter Behandlung im dortigen Lazarett kehrt Wille Ende Februar 1945 zur Wehrmacht zurück, und zwar nach Stockerau nördlich von Wien. Zuvor hat er nur mit Mühe verhindern können, dass er an die Ostfront verlegt wird. Anfang April zieht sich die Einheit immer weiter Richtung deutsche Grenze nach Haslach zurück.

Anfang Mai ist Willi noch immer dort. Hitler ist zwischenzeitlich tot und immer mehr Soldaten, so notiert er in sein Notizbuch, desertieren. Das kommt für ihn keinesfalls in Frage. Noch Jahrzehnte später kritisiert er die Deserteure, weil sie in seinen Augen ihren Eid gebrochen und ihre Kameraden im Stich gelassen hätten. Dafür, dass dieser Personengruppe Denkmale gewidmet werden, bringt er kein Verständnis auf. „Die meisten hatten Bammel in der Hose“ lautet sein Fazit.

Am 6. Mai 1945 gerät Willi in Bad Hall in amerikanische Gefangenschaft. Der Krieg ist nun auch für ihn beendet.