Familie und Kindheit: „Ich kann wohl sagen, dass wir Not erlebt haben“
Nachdem die Eltern Kreutzer im Sommer 1919 geheiratet haben, kommt ein Jahr später ihr ältester Sohn Hugo zur Welt. „Nach mir kamen dann im Laufe der Jahre noch sechs Geschwister." Der Vater arbeitet als Elektriker und Mutter Kreutzer führt den Haushalt in der kleinen Wohnung, die von der kinderreichen Familie bewohnt wird.
Sein Zimmer muss sich Hugo mit immer mehr Geschwistern teilen: „Und dann ein großes Zimmer, wo wir zu sieben Kinder schliefen". Die Familie wächst schnell. „Ich war noch keine 5 Jahre, da hatte ich schon drei Geschwister". Da es sich dabei ausschließlich um Schwestern handelt, wird Hugos Schlafplatz immerhin mit einer „spanischen Wand" von deren Bereich abgetrennt. Nach einigen Jahren ohne Familienzuwachs erblicken bis 1934 noch drei weitere Brüder das Licht der Welt; der Altersunterschied zum Jüngsten beträgt 14 Jahre. Hugo muss als Ältester oft auch auf seine jüngeren Geschwister aufpassen. „Aber bei den Kleineren war das mehr die Aufgabe meiner Schwestern." Diese geschlechtsspezifische Aufgabenverteilung sei damals ganz normal gewesen. Seine Schwestern beklagen sich daher später des Öfteren, dass ihr ältester Bruder „bestimmte Vorzüge" gehabt habe.
Wirtschaftlich geht es den Kreutzers vor allem gegen Ende der Weimarer Jahre sehr schlecht, da der Vater in der Wirtschaftskrise zeitweise seine Arbeit verliert. „Ich kann wohl sagen, dass wir Not erlebt haben. Denn es gab ja damals keine großen Hilfen und keine großen Unterstützungen". Die Eltern tun alles, um trotz der prekären Verhältnisse angemessen für ihre Kinder zu sorgen.
Vor der Einschulung besucht Hugo den Kindergarten der Laurentius-Pfarre, „wo damals etwa 100 Kinder von einer Schwester und einer Helferin betreut wurden", erinnert er sich nicht ohne Schmunzeln.
Hugo wächst in einem sehr ausgeprägt katholischem Milieu auf. Seine Mutter, so erzählt er rückblickend, sei „eine sehr fromme Frau" gewesen. Religion nimmt daher auch im Familienleben einen sehr bedeutenden Platz ein. Schon Jahre vor seiner Erstkommunion wird Hugo Messdiener. „Das fing damals schon früher an als heute". Es ist der Beginn eines langen und ausgeprägten Engagements in der Kirchen- und Jugendarbeit, denn bereits seine Kindheit verlebt Hugo - auch wenn er wie viele andere Kinder in dieser Zeit oft auf der Straße spielt - in der Nähe der Kirche und des Pfadfinderheims.
Politik spielt im Familienalltag der Kreutzers dagegen offenbar eine untergeordnete Rolle und ist kaum Gesprächsthema gewesen. „Wir haben über solche Dinge nie gesprochen".
