Kriegsende und Gefangenschaft: „Man hatte ja überhaupt keine Perspektive mehr.“

Auch am 8. Mai 1945 arbeitet Hugo Kreutzer in der Fernmeldezentrale. Er habe „bis zum letzten Tag telefoniert", berichtet er. Nachrichten wie den Tod Hitlers hätten die Einheit daher durchaus zur Kenntnis genommen, aber geändert habe sich dadurch gar nichts.

Als die Nachricht der bedingungslosen Kapitulation eintrifft, teilt ihnen der zuständige Offizier mit, dass die Einheit vor Ort bleiben solle, um am Nachmittag geschlossen den Russen übergeben zu werden. „Inoffiziell heißt es, wir hauen ab und versuchen nach Westen zu fliehen", erinnert sich Hugo Kreutzer an die dramatische Situation. So macht er sich gemeinsam mit weiteren Soldaten auf den Weg Richtung Westen, was sich aber als schwierig gestaltet. Zum einen stehen russische Streitkräfte bereits westlich der eigenen Linie und riegeln das Gebiet ab, zum anderen sind die wenigen passierbaren Straßen „total überfüllt", da unzählige Menschen unterwegs sind.

Hugo Kreutzer und seine Kameraden werden schließlich von den Russen angehalten, durchsucht und geraten so in Gefangenschaft. „Und wenn man einen Offizier gefunden hatte oder einen SS-Mann, der wurde dann ganz schön verprügelt", erinnert er sich. Die ersten Tage in Gefangenschaft seien dementsprechend „wenig schön" und „sehr hart" gewesen. Von einer Sammelstelle für Kriegsgefangene wird Hugo mit zwei Kameraden unter nun tschechischer Aufsicht zu Aufräumarbeiten in einem Dorf eingesetzt. „Und wir hatten es erreicht, dass wir zu dreien immer noch zusammen blieben".

 

Schließlich gelingt dieser Dreiergruppe und einem ehemaligen Offizier die Flucht. Letzterer hatte Hugo angesprochen und mitgeteilt, dass er die Flucht vorbereiten werde. „Wenn er nicht diesen Drang, diesen Zug gehabt hätte, ich hätte resigniert, in den Jahren, denn man hatte ja überhaupt keine Perspektive mehr". Nach zwei Monaten Aufenthalt in dem tschechischen Dorf wird das gemeinsame Vorhaben schließlich in die Tat umgesetzt: „Aber es hat dann doch geglückt und wir sind ausgerissen, sind dann in gut zweiwöchigem Marsch gut nach Hause gekommen." So ist Hugo Kreutzer vergleichsweise früh - bereits im Juli 1945 - wieder in Essen zurück.