Reichsarbeitsdienst und Wehrmacht: „Endgültigen Horror vor dem gesamten Militarismus“
1940 wird Hugo Kreutzer zum Reichsarbeitsdienst nach Geilenkirchen eingezogen. „Ich wurde irgendwie mal vergessen, denn die meisten meiner Jahrgänge waren schon vorher da eingezogen", erinnert er sich. Zu den Aufgaben der jungen Männer gehört es unter anderem, Wehrmachtsanlagen aus dem bereits erfolgreich abgeschlossenen Westfeldzug abzubauen.
Während der RAD-Zeit versucht ein Werbekommando der Waffen-SS die jungen Männer anzuwerben. Hugo heuchelt anfänglich Interesse, weist aber geschickt daraufhin, dass auch sein Vater eine solche Meldung unterzeichnen müsse. Damit gelingt es ihm, sich letztendlich schadlos aus der Affäre zu ziehen. „So etwas wie geschickt vorgehen, das hatte man gelernt, der eine mag das feige nennen, aber man lief nicht so gern ins offene Messer".
Hugo entwickelt Während der RAD-Zeit eine Aversion gegen jeglichen militaristischen Habitus: „Also aus meiner Arbeitsdienstzeit hab ich meinen endgültigen Horror vor dem gesamten Militarismus gekriegt, von diesen Primitivlingen von Vorgesetzten." Die RAD-Führer hätten ein „menschenverachtendes" Verhalten gegenüber ihren Untergebenen an den Tag gelegt; der Einzelne sei „nichts mehr" wert gewesen. Diese ablehnende Grundhaltung gegenüber dem Militär behält Hugo auch während seiner Zeit bei der Wehrmacht bei und lehnt jedes Angebote zum Aufstieg in die Unterführerschaft ab. „Ich bin da stur gewesen."
Seine Grundausbildung absolviert er in Gütersloh und verfolgt bereits hier die Strategie, möglichst wenig aufzufallen und seine Aufgaben gut zu meistern. Allerdings bringt ihm dieses „makellose" Verhalten bereits vor Ende der Grundausbildung das Angebot ein, künftig als Ausbilder tätig zu sein. Hugo zögert, nimmt das Angebot aber dann doch an. Er spricht direkt zu Beginn mit dem zuständigen Hauptmann und stellt klar, dass er seine Rekruten nicht schlecht behandeln werde. „Ich sag, das kann ich nicht, ich kann nicht mit Menschen so umgehen, wie man mit mir und mit anderen Menschen umgegangen ist, basta".
In diesem Zusammenhang wie auch mit Blick auf sein generelles Verhalten während der NS-Zeit bezeichnet sich Hugo Kreutzer rückblickend als „Mitläufer", der zwar die „ganzen Jahre mitgelaufen", aber zumindest nicht alles mitgemacht habe.
Zu einem Fronteinsatz im Osten kommt es für Hugo Kreutzer erst kurz vor Kriegsende im März 1945. Vorher verbringt die meiste Zeit in Frankreich in einem Luftnachrichtenversuchsregiment. Nach dessen Auflösung wird er im Winter 1944/45 zunächst nach Köthen in Sachsen verlegt und anschließend zum Einsatz an die Ostfront geschickt. Unterwegs sucht bei einem Zwischenstopp in Oberschlesien ein Nachrichtenoffizier kurzfristig einen Soldaten für seine Fernmeldezentrale, und Hugo hat großes Glück: „Das Los fiel auf mich und ich konnte dann in die Fernmeldezentrale gehen und die anderen mussten noch weiter nach vorne. Und von denen haben wir nie mehr etwas gehört."
Auch das Kriegsende erlebt er dann als Fernsprecher in dieser Einheit, die sich wegen der herannahenden Front frühzeitig zurückzieht.
