Pfarrjugend: „Wir waren bei fast allen keine NDler mehr und keine Pfadfinder mehr, sondern wir waren Pfarrjugend“
1938 wird der Katholische Jungmännerverband, dem auch die katholischen Pfadfinder angegliedert sind, endgültig aufgelöst. Damit entfallen auch die zuvor oft klaren Grenzen zwischen den verschiedenen katholischen Jugendgruppen und -verbänden. Spätestens jetzt beginnt die Phase der Pfarrjugend, zu der nun auch die weibliche Jugend zählt. Im Rahmen der offiziell rein religiös tätigen Pfarrjugend werden künftig auch die Kontakte zwischen den Jugendlichen weitergepflegt.
Aus der Pfarrjugend heraus gründet sich in Steele der „Kreis", eine Gruppe von etwa einem Dutzend Jugendlicher, die sich im Krieg vor allem immer dann treffen, wenn die eingezogenen jungen Soldaten auf Heimaturlaub nach Essen zurückkehren. Dann werden gemeinsame Ausflüge und Fahrten unternommen oder auch „Singenachmittage" veranstaltet. Die Organisation solcher Aktivitäten liegt in erster Linie in den Händen der daheimgebliebenen jungen Frauen der Pfarrjugend.
Die Steeler „Kreis", zu dem von Beginn auch Hugo Kreutzer zählt, ist sich darin einig, dass man den Krieg gewinnen will. Weil die Jugendlichen jedoch mit gutem Grund annehmen, dass das NS-Regime nach einem gewonnenen Krieg wieder massiv gegen die katholische Jugend vorgehen würde, entwickeln sie Pläne, nach dem „Endsieg" nach Madagaskar auszuwandern. Die Idee wird erst verworfen, als die deutsche Niederlage deutlich abzeichnet.
Während des Krieges wird Altenberg zum häufigen Ziel von Fahrten des „Kreises". Ende September 1942 gerät die Gruppe dabei ins Visier der Gestapo. Auch wenn Hugo Kreutzer bei diesem Ausflug selbst nicht dabei ist, kann er aufgrund späterer Erzählungen darüber berichten.
Während des Krieges trägt auch Dekanatsseelsorger Heinrich Vogel viel dazu bei, die Jugendarbeit der St. Laurentius-Pfarre am Leben zu erhalten. Auch Hugo Kreutzer besucht bei seinen Heimaturlauben stets die unter Vogels Leitung stehenden Heimabende. Daneben kommt insbesondere den Andachten in der Essener Münsterkirche eine große Bedeutung zu, da sie den jeweils in Steele anwesenden Jugendlichen unbeobachtete Treffen ermöglichen. Hugo Kreutzer fungiert während des Krieges - wenn auch nur nominell - zudem Dekanatsjugendführer.
Wichtig für jedes Mitglied des „Kreises" - gleichgültig ob an Front oder „Heimatfront" - ist der regelmäßige gegenseitige Briefkontakt. Welch existentielle Bedeutung diese Korrespondenzen zukommt, schildert Hugo Kreutzer eindrücklich. „Ja, das hat uns zusammen gehalten. Jede freie Minute wurde geschrieben." Mit bis zu 30 Personen aus der katholischen Jugend und der Familie steht er während des Krieges auf diese Weise in regelmäßigem Kontakt.
Eine Schlüsselposition bei der Aufrechterhaltung dieser so wichtigen Kontakte innerhalb der Pfarrjugend kommt Willi Büse zu, der aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Wehrmacht eingezogen wird und deshalb als eine Art „Schaltstelle" fungieren kann.
