Volksschule: „Kam ein Übergang auf das Gymnasium nicht in Frage“

Hugo Kreutzer besucht nach dem katholischen Kindergarten acht Jahre lang die katholische Volksschule in Essen-Steele (Laurentiusschule), deren Klassen - wie damals an Konfessionsschulen üblich - nach Jungen und Mädchen getrennt sind. Nach der vierten Klasse wechseln jene Kinder, die zur höheren Schule gehen sollen, in aller Regel auf das Steeler Carl-Humann-Gymnasium. Ebenso klar ist zumeist allerdings auch, dass da „nur die Beamtenkinder" hingehen. Hugo als Junge aus „schlichten" Verhältnissen und einer kinderreichen Familie ist dagegen die Möglichkeit, aufs Gymnasium zu gehen, von vornherein verwehrt, der der Vater das damals zu zahlende Schulgeld von 20 RM monatlich nicht aufbringen kann.

Mit dem Ausscheiden der Gymnasiasten nach der vierten Klasse geht ein weiterer Wechsel einher, denn diese Jungen stehen künftig auch nicht mehr als Messdiener zur Verfügung, was zu einer Art Zweiteilung der in der Pfarre wohnenden Jungen führt. „Messdiener waren nur Volksschüler", erinnert sich Hugo Kreutzer. Mit einigen seiner Mitschüler ist er zusammen in der katholischen Sturmschar organisiert, wechselt nach deren Gründung in der Pfarre dann aber zur katholischen St. Georgs-Pfadfinderschaft. „Wir waren natürlich eine Clique", beschreibt Hugo Kreutzer heute den engen Zusammenhalt der Steeler Volksschüler.

Die Laurentius-Schule wird auch von vielen Waisenkindern besucht, da sich direkt neben der Schule ein großes katholisches Waisenhaus befindet. Die Kontakte zu diesen Kindern seien „unterschiedlich" gewesen, erinnert sich Hugo Kreutzer, dem damals auffiel, dass vor allem diese Kinder nach der NS-Machtübernahme vermehrt in HJ- und BDM Uniform in die Schule kamen. Als Grund vermutet er heute das Bestreben der Heimleitung, durch einen möglichst hohen Organisationsgrad in der NS-Jugendorganisation als katholisches Heim nicht in Verruf zu kommen.

Auf die Schüler der Laurentiusschule wird dagegen laut Hugo Kreutzer kein Druck ausgeübt, in die HJ oder eine ihrer Untergliederungen einzutreten. „Bis zum Ende meiner Schulzeit, also bis zum Frühjahr 1934, gab es das in meiner Schule nicht." Auch im Verhalten der Lehrer schlägt sich der politische Machtwechsel - zumindest bis zu Hugo Schulentlassung - nicht nieder.