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Jugend! Deutschland 1918-1945
Editionen zur Geschichte
Didaktik & Schule

Die Schule war bis 1933 neben der Familie der unumstrittene Ort kindlicher und jugendlicher Erziehung und Ausbildung. Mit der NS-Machtübernahme wurde hier allerdings nicht mehr nur unterrichtet, sondern häufig auch massiv ideologisch beeinflusst. Außerdem versuchten die Nationalsozialisten zunehmend verschiedene Formen von Lagererziehung zu etablieren, in deren Rahmen eine Indoktrination und Wehrerziehung noch effektiver möglich war. Im Krieg wurden die so beeinflussten Heranwachsenden dann zunehmend zu Kriegshilfsdiensten der unterschiedlichsten Art herangezogen.

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Archivmaterialien
"Lieder aus aller Welt wie sie gerade kommen" - Liederbuch Werner Schwister
Liederbuch Hans Strunk

Singen in Jugendbewegung und HJ - Einleitung

Lieder begleiteten das Leben von bündischer Jugend und Hitler-Jugend in vielfältiger Weise. Ob auf Fahrt, beim Heimabend, beim Fahnenhissen oder bei Feiern - zu jedem Anlass gab es die passenden Lieder: „Wenn wir froh sind, singen wir frohe Lieder, beim Marschieren zackige, in einer Weihestunde feierliche."[1]

In der bündischen Jugend galten die Lieder in erster Linie als „klingende Symbole einer Gemeinschaft".[2] Das Charakteristische dieser Gemeinschaft fand sich dann in der Auswahl der Lieder wieder. Dabei gab es neben einem allgemeinen Repertoire, das in nahezu allen Bünden, ob links, ob rechts, ob religiös oder politisch, gesungen wurde, auch noch Lieder, die das jeweilige Selbstverständnis oder den Stil einer Gruppe zum Ausdruck brachten. So sangen zwar beispielsweise alle Bünde - dem „Zeitgeist" entsprechend - Soldaten- und Volkslieder, doch in den christlichen Bünden spielten darüber hinaus Kirchenlieder eine wichtige Rolle, in der Jungenschaft russisches Liedgut und in den national orientierten Bünden Lieder über das „Grenzland".

Viele dieser Lieder wurden auch in der HJ gesungen, allerdings nur sofern sie sich mit der nationalsozialistischen Weltanschauung vereinbaren ließen. Damit schieden Kirchenlieder oder russische Lieder aus. Soldatenlieder, Volkslieder, Fahnenlieder oder Vaterlandslieder wurden dagegen übernommen, und nach ihrem Vorbild entstanden nun auch neue HJ-Lieder. So knüpfte die HJ an bewährte Formen an und integrierte sie in ihr Konzept einer straffen, ideologisch ausgerichteten Jugenderziehung. Soldatenlieder dienten nun der Erziehung zum „politischen Soldaten", Grenzlandlieder der Vermittlung der Ideologie vom „Volk ohne Raum" und Volkslieder der Erfahrung der Idee von der „Volksgemeinschaft". Durch den neuen Kontext wurde den Liedern zugleich eine neue Bedeutung verliehen. So sickerte die nationalsozialistische Ideologie ohne erkennbaren Bruch in die Jugendlichen ein - sie sangen ja „nur" die bekannten Lieder. Dass in der Folge der „schöne Soldatentod" blutiger Ernst wurde und tatsächlich ins „Ostland" geritten wurde, lag zwar nicht in der Intention der Sängerinnen und Sänger, wurde jedoch nicht zuletzt durch das dauernde Singen vom Krieg hingenommen und als Notwendigkeit begriffen.

Fußnoten

[1] Der Leuchtturm 11/37, S. 265.
[2] Ebd.

zuletzt bearbeitet am: 19.04.2016