Der neue deutsche Mensch

Diese Schallplatte mit dem Titel „Der neue deutsche Mensch“ wurde 1934 aufgenommen. Aufgrund der niedrigen Matrizennummer (11 und 12) ist davon auszugehen, dass es sich hier um eine der frühesten Platten der Auslandsproduktion der Deutschen Grammophon-Gesellschaft handelt.

Sprecher ist Otto Gohdes[1], Mitglied des Reichstags und Reichsschulungsleiter der NSDAP und der deutschen Arbeitsfront.

Er führt aus, dass früher „rationalistisches Denken“ geherrscht habe, während „gefühlsmäßiges Denken und Handeln“ abgelehnt und verspottet worden seien. „Der Mensch hatte keinen Glauben mehr, denn dieser wurde durch den Verstand verdrängt. Wissen galt alles, Charakter nichts.“ Es sei nur um den Erwerb materialistischer Güter gegangen, wobei der „liberalistische Mensch“, wenn es sein musste, über Leichen gehe.

Insbesondere „der Jude“ habe als „Träger des marxistischen Gedankens“ den „Auflösungsprozess“ durch den Klassenkampf angestrebt. Der Menschentyp des Liberalismus, so Gohdes weiter, sei der „Massenmensch“ und nennt hierfür das Beispiels Russland. Masse aber bedeute „Chaos“, weil sie eine „Vielheit“, aber keine „Gemeinschaft von Menschen“ darstelle.

„Der Führer trägt die Merkmale seines Volkes. Er ist der Typus seines Volkes.“ Die NS-Bewegung stelle die „Persönlichkeit“ in den Vordergrund. Während man im Liberalismus der Quantität huldige, stehe im Nationalsozialismus die „Qualität“ im Vordergrund. „Der gute, gefestigte Charakter ist maßgebend.“ Der „neue deutsche Mensch“ und insbesondere der „neue deutsche Führer“ müsse eine Persönlichkeit sein und seine ethische Auffassung vorleben. Das beste Beispiel hierfür sei Adolf Hitler. Es gehe nicht um Worte, sondern um „Taten“, die klar und eindringlich sprechen würden. Jeder Träger der Bewegung müsse diese Weltanschauung vorleben. Der deutsche Mensch sei „in seinem Grundwesen gesund“. Das Reichsschulungsamt werde künftig „Wege zur Formung des deutschen Menschen weisen.“

Gesamtdauer der Aufnahme beträgt 4:54 Minuten.

 
Fußnoten

[1] Der 1896 geborene Otto Gohdes war von 1920 bis 1923 Zugführer in der „Brigade Ehrhardt“ und danach bis 1930 Ortsgruppenführer des „Stahlhelm“. Daneben gehörte er verschiedenen rechtsradikalen Gruppierungen wie dem „Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund“ oder dem „Bund Wiking“ an. Bereits 1923 war er Mitglied der NSDAP geworden, der er 1929 erneut eintrat. Seit 1930 war er zudem SS-Mitglied. Nach jahrelanger Tätigkeit als NSDAP-Kreisleiter wurde Gohdes im Mai 1932 Gauorganisationsleiter in Pommern und wurde 1933 in den Reichstag „gewählt“, dem er bis 1945 angehörte. Am 7. Mai 1933 wurde er Reichsschulungsleiter der NSDAP und der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Er fungierte zudem als Herausgeber der NSDAP-Schulungsbriefe und als Reichsschulungsredner, von 1935 bis 1938 als Reichshauptamtsleiter und von 1936 bis Frühjahr 1945 als Kommandant der Reichsführerschule NS-Ordensburg Krössinsee.