Morgenfeier der Hitler-Jugend

Die hier wiedergegebene Aufnahme ist ein Live Mitschnitt des Reichsrundfunks, der am 24. Januar 1935 auf der Marienburg aufgezeichnet und auf insgesamt 13 Schallplattenseiten gepresst wurde. Die Feier wird anschließend als Reichssendung, also über alle deutschen Sendern, in einem halbstündigen Ausschnitt übertragen. Die regionalen und lokalen Formationen der Hitlerjugend werden aufgefordert, diese Sendung im „Gemeinschaftsempfang“ zu hören.

Mitwirkende der Aufzeichnung, die vom Sender Königsberg betreut wurde, waren die Berliner Funk-, Sing- und Spielschar und das Musikkorps der Danziger Schutzpolizei unter Leitung von Georg Blumensaat.

Am 24. Januar 1935, dem Todestag des als eine Art Märtyrer verehrten Hitlerjungen Herbert Norkus, werden auf der Marienburg 597 neue Jungbannfahnen durch Stabsführer Hartmann Lauterbacher geweiht, der den erkrankten Reichsjugendführer Baldur von Schirach vertritt.

Der Beitrag beginnt mit der Rezitation eines Textes durch einen Sprecher und einem Sprechchor „Wir glauben an das Land“ - „Wir sind der Mutter verbunden auf Gedeih und Tod.“ Es folgt ein kurzes Intermezzo durch einen Fanfarenzug, bevor der Sprechchor zum Thema „Mutter und Geburt“ fortgesetzt wird. Sprecher und Sprechchor tragen weiter zum Thema „Geburt und Tod“ vor: „Wir glauben an das Volk“, „Wir glauben an Geschlechter“, „Wir glauben an den dunklen Klöppelschlag der Uhr, der sie aus ihren Gräbern schellt und uns, den Lebenden zur Seite stellt, denn ihr sind tausend Jahre wie ein Tag“.

Dem folgt ein Kanon mit dem Titel „Die Fahne steht“ von Georg Blumensaat.

Anschließend spricht der stellvertretende Reichsjugendführer, Hartmann Lauterbacher u.a. über den Plan, eine verpflichtende dreijährige Ausbildung für die zukünftigen höheren Jungvolkführer einzuführen, die aus zwei Jahren Führungsarbeit in einer HJ-Einheit sowie einer einjährigen Ausbildung in einer Führerschule bestehen soll und mit einer Prüfung abgeschlossen werden muss.

An die Rede Lauterbachs schließt sich das Lied „Wir Jungen tragen die Fahne“ an, wobei der Chor durch Orchester und Fanfarenzug begleitet wird.

Die Aufnahme endet mit der Absage des Rundfunksprechers: „Hier ist der deutsche Rundfunk, hier sind alle deutschen Sender. Der Sender Königsberg übertrug in Gemeinschaft mit der Reichsjugendführung anlässlich der Jungbannfahnenweihe in der Marienburg eine Feierstunde. Die Sender kommen mit eigenem Programm wieder.“

Die Dauer der Aufnahme beträgt 19:02 Minuten.

 

Die in Essen erscheinende „Nationalzeitung berichtet am 25., 26. und 27. Januar 1935 ausführlich über das Ereignis. Dort heißt es am 25. Januar:

„Der große Tag der HJ ist angebrochen. Aus allen Gauen unseres deutschen Vaterlandes sind am Donnerstag Vertreter der HJ in der historischen Stätte des alten preußischen Ordenslandes zusammengekommen, um hier am Todestage von Herbert Norkus die feierliche Weihe der Jungbanne zu erleben. (...)

Etwa 1000 Gebietsführer und Jungbannführer einschließlich der Wachgefolgschaft der Reichsjugendführung sowie die Obergauführerinnen waren noch am Mittwochabend mit dem Sonderzug eingetroffen. (...) Um 18:30 Uhr begann die Weihestunde im Schlosshof der Marienburg. Und wieder erlebten wir, wie mit leuchtenden Augen und stolzem Blick die jungen Träger eines heroischen Glaubens, einer sieghaften Weltanschauung, im Bewusstsein ihrer Mission aufrecht und stark die Jungbannfahnen in ihrer Hand trugen."

Nach Antreten und Fahnenappell habe dann Lauterbacher das Wort zu einer kurzen Ansprache ergriffen. "Und als nach dem Kommando 'Neigt die Fahnen' Obergebietsführer Lauterbacher mit der Blutfahne durch die Reihen schritt und die 597 Jungbannfahnen weihte, da empfanden wir alle, die wir Zeugen dieser Feststunde waren, dass der Geist noch lebt, dereinst die Beherrscher dieser stolzen Türme und Zinnen beseelt hatte, und wir wussten und fühlten es, dass Deutschland niemals vergehen wird, solange das Volk sich zu den ewigen Werten seiner geschichtlichen Größe bekennt. (...)

Dann scholl das Kommando 'Die Fahnen hoch'. Das Weihefest war beendet. (...) Gleich im Anschluss daran begann die Feierstunde im Remier in Marienburg, in deren Mittelpunkt die Botschaft des Reichsjugendführers stand, die ebenfalls von Stabsführer Lauterbacher verlesen wurde. (...)

Unter den 597 Jungbannfahnen, die rings den historischen Remier ausfüllten, bemerkte man auch die Fahnen verschiedener HJ-Einheiten aus dem Auslande. Es waren u.a. die Fahnen auslandsdeutscher Gruppen von Italien, Argentinien, China, Palästina und der Schweiz vertreten."

Nach dem Spiel habe dann noch einmal Lauterbacher das Wort ergriffen, um die Botschaft des Reichsjugendführers zu verlesen. Unter anderem heißt es hier: "Zum ersten Male erlebe der junge Deutsche im Deutschen Jungvolk die Kameradschaft des Nationalsozialismus und werde eine Teil der großen nationalsozialistischen Bewegung, unter deren Gesetz er fortan steht. In der Erkenntnis der besonderen Verantwortung des Jungvolkführers beabsichtige er, der Reichsjugendführer, in Zukunft endgültige Zulassung zu den höheren Jugendführerämtern von einer Prüfung abhängig zu machen, die von einer besonderen Kommission der Reichsjugendführung abgenommen werden soll.

Die Zulassung z dieser Prüfung werde von einer mindestens dreijährigen Ausbildungszeit abhängig gemacht werden, wovon zwei Jahre in der praktischen Jugendarbeit, d.h. in der aktiven Führung von Einheiten der Hitlerjugend verbracht sein müssten und ein Jahr auf besonders dazu bestimmten Führerschulen. (...)

Nach Beendigung der Feier auf der Burg wurden die neugeweihten Jungbannfahnen in feierlichem Zuge unter Fackelbegleitung durch die Strassen der alten Ordenshauptstadt getragen. Mit dem Vorbeimarsch am alten Rathaus fand die große Kundgebung deutscher Jugend in der Ordenshauptstadt ihren Abschluss.“