Weihnachtsansprache 1936

Diese Schallplatte mit dem Titel „Weihnachtsansprache 1936“ wurde am 30. Oktober 1936 im Raum VII der Studios der Deutschen Grammophon in der Lützowstr. 111 in Berlin aufgenommen. (Matrizennummer 428 und 429 - GO/DG). Veröffentlicht wurde sie auf dem Weißlabel der „Polydor“.

Sprecher ist Pfarrer Otto Langmann.[1]

Weihnachtsglocken klingen über die Heimat. Ihr Klingen findet uns Deutsche in aller Welt. Dies ist die Zeit, wo uns die Heimat ruft. Im Urwald und in den großen Städten der neuen Welt. Weihnachten ist uns Auslandsdeutschen das Fest der Heimat und der Verbundenheit. Wir träumen von Kindertagen, von Deutschland.“ Zugleich entkleidet Langmann das Weihnachsfest von allem Religiösen und definiert es als Antwort „auf die große Frage nach Licht und Finsternis“. Der Mensch sei eingespannt in den Kreislauf der Natur, während sein Geist das Walten „höherer Mächte“ spüre und nach „Erfüllung des Lebens“ strebe. Doch der Tod setze dem ein Ende. „Der Geist sinkt ins Grab. Was gilt nun: Leben oder Tod, Licht oder Finsternis?“ – „Was wäre Leben ohne Licht. Das ist die Weihnachtsbotschaft.“

Die „deutschen Menschen“ hätten „das Leben ohne Licht, das Leben im Dunklen“ erlebt. „Wir haben aber auch erlebt, was es bedeutet, wenn es im politischen und völkischen Leben wieder hell wird.“ Die Weihnachtsbotschaft besage, dass ein Kind das Licht der Welt geworden sei: „Wir wollen Kinder des Lichtes sein. Wir Deutschen wissen, dass das Licht im Leben unseres Volkes nicht von selber kam. Das Licht kam in die Finsternis und wir kamen zum Leben.“

Mit Blick auf die Auslandsdeutschen betont Langmann, dass es Deutsche gegeben habe, die die deutsche Sprache verlernt hätten. Dem müsse vorgebeugt werden, denn: „Man kann auch seelisch verloren gehen.“ Die Weihnachtsglocken würden aber zum Ausdruck bringen, „dass wir nicht verloren gehen sollen“

Die Aufnahme hat eine Dauer von 9:41 Minuten.

 
Fußnoten

[1] Der 1898 geborene Otto Langmann studierte nach Teilnahme am Ersten Weltkrieg Theologie in Leipzig. 1928 ging er, mittlerweile verheiratet und vierfacher Vater, als Auslandsgeistlicher nach Kolumbien und Ecuador, 1930 schließlich nach Guatemala. Hier betätigte er sih vor allem politisch, trat 1931 der NSDAP bei war im Sommer des Jahres Mitgründer der ersten Landesgruppe der Partei im Ausland. 1933 kehrte er nach Deutschland zurück, wo er stellvertretender Gauobmann der Deutschen Christen in Hamburg wurde. Otto Langmann war Justiziar der Deutschen Evangelischen Kirche und wurde als Referent für die Fragen der theologischen Vor- und Weiterbildung in die Kirchenkanzlei berufen, bis er 1937 als deutscher Gesandter nach Uruguay ging. Damit erreichte seine Karriere im NS-Staat ihren Höhepunkt.