Die Bedeutung des Judenprozesses von Kairo
Diese Schallplatte mit dem Titel „Die Bedeutung des Judenprozesses von Kairo“ wurde am 28. Februar 1935 im Raum VII der Studios der Deutschen Grammophon in der Lützowstr. 111 in Berlin aufgenommen. (Matrizennummer 2589 und 2590 - GN/DG). aufgenommen. Veröffentlicht wurde sie auf dem Weißlabel der „Polydor“.
Sprecher ist Prof. Dr. Friedrich Grimm[1] aus Essen.
Bei dem Kairoer „Judenprozess“ handelt es sich um ein Verfahren vor den „Gemischten Gerichtshöfen“ Ägyptens, der in den Jahren 1933 bis 1935 stattfand. Anlass war eine antisemitische Schrift über „Die Judenfrage in Deutschland“, die der Vorsitzende des Deutschen Vereins in Kairo, Wilhelm van Meeteren, herausgegeben hatte. Daraufhin reichte Umberto Jabès, ein in Kairo lebender Jude italienischer Staatsangehörigkeit, eine Klage auf Schadensersatz wegen Beleidigung, Aufhetzung zum Rassenhass und Störung der öffentlichen Ordnung ein.
Der Prozess fand erhebliches Echo sowohl in der ägyptischen als auch in der deutschen Öffentlichkeit. Die NS-Propaganda nutzte ihn intensiv als Versuchsfeld und etikettierte ihn als „Kairoer Judenprozess“. Die Klage wurde sowohl in erster als auch zweiter Instanz aus formalen Gründen abgewiesen. Tenor der Begründungen war, dass ein in Ägypten lebender Jude sich nicht durch eine Broschüre über die Judenfrage in Deutschland beleidigt fühlen könne. Die NS-Propaganda feierte diese Gerichtsentscheidung als großen Sieg.
Grimm stilisiert den Prozess alsPropagandaakt der „jüdische Weltliga gegen den Antisemitismus“, die auf wirtschaftlicher und propagandistischer Ebene einen „Feldzug“ gegen Hitler-Deutschland führe. Daher sei der Prozess in Kairo eine Propagandaaktion gewesen. Von Ägypten aus, wo den kaum 1.000 Deutschen 80.000 Juden gegenüber stehen würden, solle der Kampf gegen Deutschland geführt werden.
Die Aufnahme hat eine Dauer von 5:53 Miniuten.
[1] Der 1888 geborene Jurist Friedrich Grimm engagierte sich in der NS-Bewegung und war als Jurist, Publizist, Politiker und Propagandaredner tätig. Dabei unterstützte er u.a. die Rückkehr des Saargebietes ins Deutsche Reich. 1934 wurde sein Buch „Frankreich an der Saar: Der Kampf um die Saar im Lichte der historischen französischen Rheinpolitik“ in der Hanseatischen Verlagsanstalt, einem Verlag der NSDAP, veröffentlicht.