Vor dem Prozeß gegen den Gustloff-Mörder David Frankfurter

Diese Schallplatte mit dem Titel „Vor dem Prozeß gegen den Gustloff-Mörder David Frankfurter“ wurde am 7. November 1936 im Raum VII der Studios der Deutschen Grammophon in der Lützowstr. 111 in Berlin aufgenommen. (Matrizennummer 430 und 431 - GO/DG). aufgenommen. Veröffentlicht wurde sie auf dem Weißlabel der „Polydor“.

Sprecher ist Wolfgang Diewerge.[1]

Die Aufnahme dreht sich um den Prozess gegen Juden David Frankfurter, der 1933 in die Schweiz emigriert war. Er glaubte, ein Zeichen des jüdischen Widerstandes gegen die Aktionen der Nationalsozialisten setzen zu müssen. Dabei geriet mit Wilhelm Gustloff der antisemitisch tätige Leiter der Schweizer NSDAP-Landesgruppe in den Fokus. Frankfurter erschoss ihn am 4. Februar 1936 in dessen Wohnung in Davos und stellte sich danach der Schweizer Polizei.

Angesichts des bevorstehenden Prozesses lief der NS-Propagandaapparat auf Hochtouren: Es wurde über etwaige Hintermänner Frankfurters spekuliert, die die Theorie von der „jüdischen Weltverschwörung“ stützen sollten. Auf Druck des Berliner Außenministeriums wurde für den Prozess auch ein deutscher Strafverfolger zugelassen wurde; NS-Anwalt Friedrich Grimm vertrat daraufhin Gustloffs Witwe als Nebenklägerin. Zugleich schickte Goebbels seinen Chef-Propagandisten Wolfgang Diewerge zum Prozessauftakt am 9. November 1936, um der deutschen Berichterstattung die intendierte Richtung zu geben. Frankfurter wurde als jämmerlich und feige verunglimpft, seine Anwälte als Provokateure und deren ihre Beweisführung als deutschenfeindlich. Ein fairer Prozess war unter solchen Vorzeichen praktisch unmöglich. Der Prozess endete am 14. Dezember 1936 mit einem Schuldspruch für Frankfurter. Statt der Höchststrafe von 25 Jahren verurteilte ihn das Gericht zu 18 Jahren Zuchthaus und anschließender Landesverweisung.

Die Aufnahme hat eine Dauer von 8:16 Minuten.

 
Fußnoten

[1] Der 1906 geborene Wolfgang Dierwege galt als Spezialist für antisemitische Öffentlichkeitsarbeit im Goebbel’schen Propagandaministerium. Das galt insbesondere für Prozesse im Ausland, die sich für das NS-Regime propagandistisch verwerten ließen. Der studierte Jurist wurde früh Mitglied völkischer und nationalsozialistischer Gruppierungen. Seit 1927 schrieb er für NS-Zeitungen und –Zeitschriften und trat 1930 der NSDAP bei. 1933 wurde Diewerge Reichsgeschäftsführer der Deutschen Turnerschaft. Ferner war er Abteilungsleiter in der NSDAP-Auslandsorganisation, in der er Anfang 1934 erstmals öffentlich hervortrat. Anlass war der hochgradig politisierte „Judenprozess“ in Kairo, zu dem hier eine eigene Aufnahme mit Professor Friedrich Grimm als Sprecher vorliegt. Für Wolfgang Diewerge begann mit diesem Prozess eine Bilderbuchkarriere als antisemitischer Propagandist im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Er wurde mit der „pressemäßigen Bearbeitung“ weiterer spektakulärer Prozesse beauftragt, zu denen neben dem hier behandelten auch der geplante Schauprozesses gegen Herschel Grynszpan zählte. Dabei teilte sich Dierwege die Arbeit regelmäßig mit Friedrich Grimm, der die juristische Seite abdeckte. Das einmal etablierte und offenbar positiv eingeschätzte Duo trat häufiger auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg trafen sich beide dann im Umfeld der nordrhein-westfälischen FDP wieder.