Zum Tag der Nationalen Arbeit

Der 1. Mai 1933 wurde von Propagandaminister Goebbels als „Tag der nationalen Arbeit“ als „einzigartiges Massenereignis“ behandelt und reichsweit entsprechend inszeniert. Das galt ganz besonders für die Reichshauptstadt Berlin, wo die NSDAP auf dem Tempelhofer Feld die zentrale Kundgebung mit einem gewaltigen Massenaufmarsch organisierte. Hier sprach Adolf Hitler persönlich. Seine Rede wurde über Rundfunk auch in den letzten Winkel Deutschlands übertragen. Paraden, Musik, Darbietungen von Kunstfliegern und zum Schluss ein gewaltiges Feuerwerk: Das junge NS-Regime bot ein wahres Massenspektakel. Und Joseph Goebbels zeigte überaus zufrieden: „Überwältigend. Ganz unfassbar noch in seinen Ausmaßen.“

Die um 8.30 Uhr am 1. Mai 1933beginnende Live-Berichte des Reichsrundfunks wurden anschließend auf 18 Schallplattenseiten gepresst und weltweit verbreitet. Diese Aufnahme mit einer Dauer von 64 Minuten mit den Matrizennummern 24031 bis 24048 liegt hier vor. Veröffentlicht wurde sie auf dem Weißlabel der „Polydor“.

Die An- und Absage erfolgt durch Karl Cerff[1], als dem Leiter der Abteilung „Rundfunk“ in der Reichsjugendführung. Es folgt ein Hörbericht über die Szenerie am Berliner Lustgarten durch den Rundfunksprecher Sprecher Hans-Günther Marek.[2]. Als Redner sind zu hören: Balder von Schirach, Joseph Goebbels und Adolf Hitler.

Zwischen den Wortbeiträgen singen Mitglieder der Berliner Hitlerjugend die Lieder „Tritt heran, Arbeitsmann“ und „Auf, hebt unsere Fahnen“. Ferner werden Märsche gespielt und so Längen der Veranstaltung musikalisch überbrückt. Am Ende der Veranstaltung singen und spielen die Beteiligten das Lied „Unsere Fahne flattert uns voran“.

Insgesamt zeigt dieser (vollständige!) Live-Mitschnitt, dass derartige Veranstaltungen auch Abschnitte ohne Programm aufwiesen und nicht immer alle Teile ansatzlos und perfekt inszeniert aufeinanderfolgten. Das Rundfunkmikrofon war offenbar recht nah am Musikorps platziert, wodurch die Militärmusik sehr plastisch klingt. Das Rednerpult war offenbar etwas weiter entfernt, wodurch die Ansprachen etwas leiser ausfallen.

 
Fußnoten

[1] Der 1907 geborene Carl (oder: Karl) Cerff trat bereits 1922 in die SA und 1926 in die NSDAP ein. 1928 wurde er Führer der Hitlerjugend in Heidelberg und fungierte zwischen 1931 und 1932 als HJ-Propagandaleiter für den Gau Baden. Zudem war er als Reichsredner für die NSDAP und die HJ aktiv. Nach der NS-Machtübernahme wurde Cerfff ab Mai 1933 in der Reichsjugendführung aktiv, wo er die Abteilung R (Jugend- und Schulfunk) leitete. Zwei Jahre später übernahm er im Range eines HJ-Obergebietsführers das Kulturamt der Reichsjugendführung und war außerdem ihr Beauftragter bei der Reichssendeleitung. Seit 1938 war Cerff Chef diverser Hauptämter, zunächst des Hauptamtes Kultur der NSDAP-Reichsleitung und seit 1942 des Hauptamtes der Reichspropagandaleitung der NSDAP. In dieser Funktion war er zugleich Reichskulturwalter in der Reichskulturkammer. Nach seiner Ernennung zum Ministerialdirektor war Cerff 1944 im Reichspropagandaministerium tätig.

[2] Hans-Günther Marek (1902-1967) zählte bereits vor 1933 zu den bekanntesten Rundfunksprechern im norddeutschen Raum. Während der NS-Zeit machte er Karriere und stieg zum Leiter der Abteilung „Zeitgeschehen“ bei Deutschlandsender auf. Daneben trat er bei Großereignissen als Reporter auf. Von 1939 bis 1941 war er Leiter des Reichssenders „Böhmen“.