Elternhaus: „Eine starke Bindung an das christliche Weltbild.“
Familie Blum lebt aktiv im katholischen Glauben. Franz-Josef verlebt eine unbeschwerte Kindheit, ist Messdiener in der Pfarrei und spielt mit Kameraden auf der Straße.
Sein Vater hat gemeinsam mit seinem Bruder den elterlichen Kürschnerbetrieb übernommen. Wenn er aufgrund einer Rheumaerkrankung auch nicht am Ersten Weltkrieg teilgenommen hat, haben andere Familienangehörige in dieser Zeit Schreckliches erlebt, weshalb sie 1939 den neuen Krieg vehement ablehnen. Jegliche Form von Kriegsbegeisterung bleibt Familie Blum fremd.
Willi Blum ist im Kirchenvorstand von St. Maria im Kapitol aktiv. Politisch steht er dem „Zentrum“ nahe und damit in Opposition zum Nationalsozialismus. Auch Sohn Franz-Josef entwickelt durch diese Sozialisation eine Distanz gegenüber „vollmundiger Politik“ und wächst stattdessen „mit einer starken Bindung an das christliche Weltbild“ auf. Seine Kindheit und Jugend sind geprägt von „Teilnahme am christlichen Leben und einer engen Verbindung zur Geistlichkeit“.
Familie Blum ist gut situiert; wirtschaftliche Not kennt sie nicht: „Die Weltwirtschaftskrise hat das Geschäft gut überlebt“. Weil das Geschäft vorrangig auf dem Verkauf von Pelzwaren basiert, ist die Kundschaft eher wohlhabend. Ob diese spezifische Kundschaft dem Nationalsozialismus nahesteht, kann Franz-Josef Blum aus der Rückschau nicht beurteilen. Er ist damals noch zu jung und wird daher von den Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise kaum tangiert.
Nach der NS-Machtübernahe schätzen die Eltern die politischen Verhältnisse offenbar richtig ein. Sie verhalten sich vorsichtig und sprechen in Gegenwart ihrer Kinder nicht mehr über politische Dinge, denn die Angst, die durch unbedachte Äußerung aus Kindermund verraten zu werden, ist zu groß.
Der Krieg geht auch an Franz-Josefs Elternhaus nicht vorüber. Während seiner Arbeitsdienstzeit werden seine Eltern 1943 in Köln ausgebombt und ziehen nach Bergisch-Gladbach.
